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- Einleitung
- Bildmaterial
- Der Helm des gerüsteten Fussvolkes
- Die Torsopanzerung
- Die Beinbekleidung
- Die Bewaffnung
- Die Municher Sagitari
Einleitung
Dieser Artikel soll in erster Linie das gerüstete Fussvolk beschreiben, das mit anzunehmender
Wahrscheinlichkeit die Masse in einer mittelalterlichen Schlacht ausmachte. Als Zeitraum setze ich
hier das späte Hochmittelalter an (1250-1330), wobei mein Hauptaugenmerk auf dem Zeitraum
der Schlacht zu Mühlheim bei Ampfing beruht, in der Ludwig der Bayer gegen Seinen Freund aus
frühester Kindheit, Friedrich von Österreich ins Feld ziehen musste.
Bildmaterial
Beginnen möchte ich diesen Artikel mit 2 Bildern, die sehr schön die Ausstattung eines
Fusssoldaten zeigen und hier als Referenz dienen sollen. Beide Bilder stammen aus der Maciejowski
Bibel, die wahrscheinlich um 1250 geschrieben wurde.

Abb. 1 - Schlacht um die Stadt Hai, nach deren Einnahme der König erhängt wurde.

Abb. 2 - Vertreibung der Israeliten aus der Stadt Hai.
Der Helm des gerüsteten Fussvolkes
Da im Kampf auf den eigenen Füssen Beweglichkeit und dadurch gute Sicht das ein und
alles darstellt, wurde gerade hier auf geschlossene Helme wie den Topfhelm gerne verzichtet.
Es wurden daher alle Halbhelme verwendet, die in diesem Zeitraum üblich waren. Diese
sind in logischer Reihenfolge:
Der flachscheitlige Topfhelm mit oder ohne Nasensteg
Bereits ab 1250 dürfte der Vorläufer des Topfhelmes nur noch als Erbstück
vorhanden gewesen sein, da er sich 2 Entwicklungsstufen unter dem Topfhelm befindet und
weder das Gesicht schützt oder ein Abgleiten eines Schwerthiebes erlaubt.
Die Beckenhaube mit oder ohne Nasensteg (Abb. 1 - Mitte unten, der kniende Armbrustschütze)
Die Beckenhaube ist das günstige Einsteigermodell der Fussarmeen. Als Nachfolger
des Normannischen Halbhelmes hat der Helm seine konische Form durch eine runde Form
ersetzt und wird in aller Regel mit Nasal getragen. Meist wurde an diesen Helmtyp eine
Kettenhaube angenietet, was einen sehr guten Rundumschutz bei bester Sicht bot. Ab ca. 1200
wurde bei diesem Helmtyp gerne auf den Nasal verzichtet und dafuer eine leichte Krempe in
den Helm geschlagen, da ein Nasal nur die Nase, aber nicht die Backenknochen schützt.
Ein Schwerthieb konnte somit leichter am Gesicht vorbei- statt abgleiten. Der Eisenhut war damit
geschaffen worden.
Der Eisenhut (Abb 1. - Turmbesatzung rechts oben, flache und runde Ausführung)
Er entwicklete sich wie eben beschrieben aus der Beckenhaube, an der eine leichte Krempe
ausgeformt war. In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde statt dessen eine
Krempe angenietet und der Eisenhut zusätzlich noch mit aufgenieteten Blechen in Form
von z.b. Kreuzen verziert. Ab dem selben Zeitraum gab es den Eisenhut auch in einer flachen,
nicht-runden Ausführung. Der Beweggrund für die Herstellung solcher Helme dürfte
wahrscheinlich finanzielle Aspekte gehabt haben, da bei einem flachen Helm das massive Ausklopfen
der Bleche entfällt und damit sehr viel Arbeitszeit eingespart wird. Der Eisenhut wurde
in vielen folgenden Entwicklungsstadien bis ins Jahr 1945 weiter verwendet (Britische Armee im
2. Weltkrieg)
Der Einsatz des Helmes hatte wie eben beschrieben eigentlich nur finanzielle Hintergründe.
Die eben beschriebenen Helme wurde von Rittern, Adligen und Königen eigentlich offen
als "Helme der Knechte" abgelehnt. Wobei die "Knechtshelme" dann durch diesen Personenkreis
gerne bei Kämpfen zu Fuß, den Topfhelmen mit eingeschränkter Sicht,
vorgezogen wurden.
Unter dem Helm wurde eine reine Bundhaube getragen (Abb. 2 - links unten, Fusssoldat der zu Tode getrampelt wird), eine gefütterte Bundhaube oder eine gefütterte Bundhaube und darüber eine Kettenhaube.
Die Torsopanzerung
Die Torsopanzerung ist abhängig von den finanziellen Mitteln des Trägers. Von dem
einfachen Waffenrock getragen auf dem Untergewand, ueber den Gambeson mit Waffenrock (Abb. 2 - links unten, Fusssoldat der zu Tode getrampelt wird), bis
hin zu Untergewand, Gambeson und Kettenhemd waren alle Variationen möglich. Näheres
hierzu ist im Artikel über Rüstungen des 12. und 13. Jahrhunderts
nachzulesen.
Die Beinbekleidung
Siehe Torsopanzerung. Hier ist ebenfalls die Abstufung nach finanziellen Mitteln: einfache Beinlinge, wattierte Beinlinge, wattierte Beinlinge mit Kettenbeinlingen darüber.
Die Bewaffnung
Als Bewaffnung kommt jede erdenkliche dieses Zeitraumes in Frage, wobei die schwere Lanze, die nur von Rittern zu Pferde getragen wurde, aufgrund ihrer Größe und des Gewichtes ausscheidet.
Daß die Armbrust eine verhasste Waffe von Feiglingen ist, ist nur halb richtig. Die Armbrust
wurde von Rittern, Adligen und Königen nicht verwendet, da diese Waffe als unedel galt.
Allerdings waren Heere von Armbrustschützen sehr beliebt und wurden taktisch geschickt
eingesetzt. König Ludwig der Bayer nutzte in der Schlacht von Mühlheim bei Ampfing
geschickt die Münchner Sagitari und Nürnberger Schützen, die Ihm bei Schlacht
den Sieg miterwirkten. Unter Fussoldaten war die Armbrust sehr beliebt, da ein Armbrustschütze
nicht sofort in der ersten Reihe mitstreiten musste. Armbrust oder Bogenschützen trugen in
aller Regel auch noch normale Nahkampfwaffen mit sich, um im kommenden Scharmützel nach der
Fernkampfwelle auch noch kampffähig zu sein (Abb. 1 - kniender Armbrustschütze, das Schwertgehänge ist sehr gut sichtbar).
Die Municher Sagitari
Der erste schriftliche Nachweis fuer die Existenz der Schuetzen (Sagittarii)
ist in einer Kaemmererrechnung von 1334/35 als
die Stadt 29 Sagitari mit einem Musikanten in die Schlacht bei Toelz
schickt. Jeder Sagitarius wurde mit einem halben Pfund entlohnt. Der Musikant
wurde mit 90 Pfennigen entlohnt (100 Pfennige = 1 Pfund)
Allerdings gibt es bereits von 1318 Kaemmerrechnungen, die beschreiben, dass
neue Armbrueste, Spannbaenke, Gezelt und Schleudermaschinen im Turm beim Hause
des Ratsherren Wernher Chrug (In turri apud Amphoram) eingelagert wurden.
Ausserdem wird in der Schlacht von Muehldorf bei Ampfing (1322) erwaehnt,
dass die Muenchner Truppenaufgebote und Kriegsmaschinen tatkraeftig dem
Kaiser Ludwig I. dem Bayern zur Seite standen und die Schlacht mit ent-
schieden.
Die Sagitari trugen mit hoher Wahrscheinlichkeit einheitliche Waffenröcke,
die entweder ind den Kaiserlichen Farben oder den Stadtfarben gestaltet waren.
Die Farbe ist in beiden Fällen identisch: Schwarz/Gold.
Die erste schriftliche Darstellung Munichens in die vier
Stadtviertel (Anger, Hacken, Kreuz- und Graggenauviertel) stammt von 1363,
wobei heute angenommen wird, dass
die Einteilung mit Fertigstellung der Stadtmauer entstand. 1363 werden
auch 10 Viertelhauptleute namentlich genannt, die in Friedenszeiten die
Organisation fuer den Erhalt der Wehrfaehigkeit inne hatten. Ihre Taetig-
keite erfasste das Mustern der wehrfaehigen maennlichen Buerger, die
Ruestschau und die Durchfuehrung von Tuernieren auf dem Marktplatz (Marien-
platz). In Kriegszeiten leiteten die Hauptleute die verschiedenen staedt-
ischen Truppenteile (Ritter, Sagitari, Fussoldaten, Kriegsmaschinen ...)
Im 14. Jahrhundert (ich habe keine genauere Zahl) ist von Sonntaeglichen
Schuetzenfesten vor dem Angertor die Rede. Im 14. Jahrhundert sind die
Turniere am Marktplatz noch den Rittern vorbehalten.
Quellen:
Kleidung & Waffen der Früh- und Spätgotik - Ulrich Lehnhart - 1998
Herzogdienst und Bürgerfreiheit - Roswitha von Bary - 1997
Weltstadt Muenchen, meine Heimat - Schulreferat - 1991
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