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Das Kettenhemd bequem tragen 
"Da muß man durch" und andere sinnlose Kommentare hört man auf so manchen Festen und Märkten.
Bereits die Römer wussten ihre Kettenhemden richtig zu tragen. Niemanden bringt eine Rüstung
etwas, wenn er sie nicht über längere Zeiträume tragen kann. 15 bis 25 kg Kettenbehang am
Körper sind heute eh vergleichsweise wenig gegen die alten Kettenrüstungen, die die Ritter
von Kopf bis Fuß mit bis zu 40 kg belasteten. Druck und Scheuerstellen können heute den Spaß
an einer selbstgestricken Rüstung doch sehr vermiesen. Wer arbeitet da dann schon einen ganzen Winter
an einer Kettenrüstung, wenn sie bereits nach einer Stunde zur Qual wird. Wenn dazu noch ein
kleines Kämpfchen in Rüstung wegen Rückenschmerzen u.a. nicht möglich ist, sollte man meine
Tips für das praktische aber dennoch historische Kettenzeugs beachten.
Ausserdem möchte ich jeden Anfänger vor Fehlern bewahren, die teilweise erst nach hunderten von
Arbeitsstunden auftauchen und einem dem Spaß am Kette-Tragen gehörig vermiesen.
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Drücken, Ziehen und Scheuern ist nicht männlich
An allen Stellen, die bereits nach einer Stunde scheuern oder drücken, muss das Kettenhemd
dringend erweitert werden. An kratzenden Ärmeln sind Lederbündchen zu befestigen, an
wundgescheuerten Hinterteilen helfen ganze Lederlappen und unter eine Kettenhaube gehört eine
Stoff- oder Lederhaube als Schutz. Jeder, der glaubt ohne diese Schutzvorrichtungen auszukommen,
hat wahrscheinlich das Kettenzeugs noch nie länger als einen Tag getragen und hält sich
wahrscheinlich auch von jedem Schaukampf fern.
Kurzärmlig ?!?
Auf vielen Festen sah ich die kurzärmligen Dinger rumhängen. Es gibt keinerlei
historischen Grund oder gar eine Vorlage, das Kettenhemd an den Ärmeln nur bis zu den
Ellenbogen zu tragen. Welcher Krieger oder Ritter aus alter Zeit hätte wegen 2 bis 3 kg
Gewichtsersparnis auf den Schutz seines Armes verzichtet? Wenn Regel 1 beachtet wird, fällt
so ein langer Ärmel überhaupt nicht auf. Ein langärmliger Rolli reicht schon als Schutz
der Haut vor den Kettengliedern und Ihren scharfen Verschlüssen.
(Ergänzung by Darkness)
Zumindest gibt es keine Abbildungen aus der Zeit des Hochmittelalters. Krieger und Ritter in der Zeit des Früh
Mittelalters haben natürlich auch kurzärmlige Kettenhemden getragen. Die langärmlige Form
entwickelte sich aus dem kurzärmligen Kettenhemd.
Hüftlang ?!?
Auch warum Kettenhemden auf den MA-Festen hüftlang getragen werden, verstehe ich nicht. Zeitgenössisch
geschnittene Kettenhemden waren immer knielang. Um das Gewicht auf Schultern und Hüfte zu
verteilen wird das Kettenhemd zusammen mit dem Waffenrock über den geschlossenen Gürtel
gezogen und hängt dann ein bischen über den selbigen, so daß dieser nicht mehr
sichtbar ist. Damit ist die lange Kette, die leicht 5 kg mehr wiegt als diese kurzen Dinger aber
dennoch leichter zu tragen. Durch Umverteilung von Gewicht verdienen moderne Rucksackhersteller
ein Vermögen. Bereits unsere Vorfahren wussten von dieser simplen Technik.
Diese Überlänge im Vergleich zum heutigen Hemd-Verständnis kommt
übrigens durch den fehlenden Genitalschutz der Kettenbeinlinge. Kettenhemden für das Fußvolk
waren an der Seite geschlitzt und hingen natürlich über die Genitalien. Bei frontal
geschlitzten Reiterkettenhemden war das Problem eines Genitaltreffers geringer, da in der Regel der
Pferdekopf und der Rest des Reiters der Entmannung im Weg war.
Kettenmäntel waren übrigens knöchellang und waren im frühen Mittelalter
vor allen bei nordischen Völkern verbreitet.
Problemzonen und Strickmuster
Bei der Herstellung des Kettenhemds sollte sich der Erbauer dessen bewusst sein, dass
an bestimmten Stellen sehr hohe Spannungen an den Ringen entstehen. Die Achselhöhlen sind Zonen,
die spätestens am Morgen aufplatzen, wenn sich der Träger vor Müdigkeit gen Himmel räkelt
(Sofern das Kettenhemd diese Bewegung überhaupt zulässt Anm. Anni).
Am Kragen entstehen hohe Zugkräfte, durch das fallende restliche Hemd und die Seitenzugkräfte
der Ärmel. Wer 4in1 strickt oder große Ringe bei kleinem Durchmesser verwendet,
sollte sich über diese extremen Kräfte im Klaren sein. Die an sich stabil wirkenden
Ringe fliegen schnell aus jedem Geflecht heraus, wenn sie nicht richtig gestrickt sind. King-Beringung
an den Problemzonen oder 6 bzw. 8in1 hilft in der Regel. Wer trotzdem Probleme hat,
sollte an den Problemzonen die Ringe durch Nieten oder Löten verschliessen.
(Mein erstes Kettenhemd war 4in1 gestrickt und löste sich immer in den Achselhöhlen
auf, obwohl es aus V2A-Stahl mit 10mm Durchmesser und 1,6mm Drahtstärke gefertigt war.
Ärmel müssen konisch sein.
Oft sah ich gar merkwürdige Röhren an den Armen der werten Ritter baumeln. An der Schulter
passgenau, gar fast zu eng, aber an den Ärmeln stark hängend, so daß ich meinte, es handelte
sich um einen eisernen Männerrock des 14. Jahrhunderts. Mal ehrlich, zu der Blütezeit des Kettenhemds
wurde dieses fast hauteng getragen (hauteng jedoch mit Bewegungsfreiheit). Auf alten Darstellungen von kreuzfahrenden Rittern
ist das besonders gut zu sehen. Dementsprechend sollte auch ein Ärmel geschnitten sein.
Merke: Alles was am Körper baumelt, geht einen auf die Nerven ! (Ihr armen Männer 8-) Anni )

Abb. 1 - Michael mit Kettenhaube
Abb. 2 - ...und sein Ärmel
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Die Haube ist eine geschlossene Kapuze
Viele sehr gute Kostüme, die sehr zeitaufwendig und fein verarbeitet wurden, sehen billig
durch eine nicht zeitgemässe Haube aus. Eine Haube muß eine relativ große
Gesichtsöffnung aufweisen, damit sie als Kapuze nach hinten geschlagen werden kann. Ebenso
muß der Latz der Haube die Schultern bedecken, wobei dieser Latz unter dem Waffenrock getragen wird.
(Deswegen die Sache mit der Kapuze, da die Haube nur nach Ablegen des Waffenrocks ausgezogen werden kann)
Da eine so große Öffnung der Haube aber eine große Angriffsfläche im Kampf bietet,
wird die Haube mit einem fest angebrachten Latz auf Höhe der Schläfen verschlossen.
Auf dem Bild ist der Latz (1) zu erkennen. Er wird an einem Haken (3) befestigt, der
sich unter dem ledernen Stirnband befindet. Zum bequemen Tragen des Latzes dient ein aufgenähtes
Stück Leder, das Kinn und Unterlippe vor Schürfungen schützt (2) .
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30°C im Schatten, auch mit Kette problemlos
Zuviel ist mehr. Auf alle Fälle ist es nicht nur historisch, sondern auch praktisch, einen
Fetzen Stoff über und unter der Kette zu tragen. Über die Kette muß ein Waffenrock.
Im 12. Jahrhundert diente er zwar noch nicht als Zierde und Wappenträger, hatte aber den praktischen
Nutzen, daß sich die Kettenglieder in der prallen Sonne nicht so stark aufheizen konnten.
Dazu wird unter der Kette ein Wams oder langer Männerrock getragen, der aus mehreren, zusammengesteppten
Leinen oder Baumwollballen besteht (Leinen ist historischer, Baumwolle praktischer
( Sehen tuts ja eh keiner. Anni ). Je mehr Stoffbahnen
dabei zusammengenäht werden, desto bequemer trägt sich durch den polsternden Effekt die Kette.
Keine Angst vor der Hitze, nehmt nur genug zu trinken mit. Durch das an sich dicke und warme Gewand schwitzt der
Kettenträger sehr stark und schnell. Die Verdunstungskälte, die dabei am Unterrock entsteht,
ist einfach göttlich. Selbst in der prallen Sonne der Arena Kaltenbergs
( Wenn es dort mal nicht regnet. Anni) konnte ich mich nicht über
Temperaturprobleme beschweren. Durch die fehlende pralle Sonne auf der Haut und die ständig feuchte
Unterbekleidung war mir immer kühl genug, obwohl die Zuschauer teilweise mit Hitzschlägen
von den Bänken getragen wurden.
Besonders wichtig ist auch ein Fetzen Stoff oder Leder unter der Haube, da die Kettenglieder in der prallen
Sonne auch mal 60°C überschreiten können. Wenn es dann immer noch zu warm sein sollte, dann übergiest
euch ruhig mal mit einigen Litern Wasser (Edelstahl-Kettenhemden sind dabei sehr vorteilhaft ;-) )
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Material zu teuer, lieber den billigen Stahl ?
Viele verwenden bei der Erstellung des Kettenhemdes einfachen, billigen Stahl, da die Kohle zum Anschaffen
eines richtig guten Werkstoffes fehlt. Meine Meinungs ist: guten Werkstoff anschaffen. Bei der Herstellung
eines Kettenzeugs gehen leicht einmal 300 bis 400 Stunden vorbei. Dabei wegen 100 bis 200,- DM sparen, ärgert
einen noch die nächsten Jahre. Am besten ist heutzutage Edelstahl wie V2A (min. X2 CrNi 19 9). V2A ist im
Schweissfachgeschäft für ca. 20,- DM/kg zu haben (Preisunterschiede von bis zu 80,-DM/kg
sind normal, einfach nicht entmutigen lassen und mehrere Schweissfachgeschäfte abklappern.
Bei 25 kg für ein Kettenzeug sind das zwar
schon 500,- DM, aber das gesamte Material muß zum Einen nicht sofort gekauft werden und zum
Anderen lohnt sich die Anschaffung beim ersten Regen, denn das Material ist rostfrei. Von verzinkten Stahlringen
kann ich nur abraten, denn der Zink trägt sich relativ schnell ab und gibt den billigen Stahl, der darunter liegt,
der Umwelt ungeschützt dem Rosten preis.
Ein Tip für alle V2A Kettenhemdbesitzer: Wenn sich der Waffenrock ständig schwarz färbt, solltet
ihr das Kettenhemd einmal in die Spülmaschine geben. Das Zeugs rostet eh nicht und ist danach genau so sauber
wie euer heimisches Tafelbesteck (Das aus dem selben Material ist !).
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Authentisches Material (Ergänzung by Darkness)
Für diejenigen die es lieber authentisch als praktisch haben wollen, sollten natürlich lieber Stahlringe
benutzen. So praktisch V2A auch bei Regen und in der Pflege ist, so gab es dieses Material im Mittelalter nicht.
Auch die glänzende Optik passt nicht so Recht in das Bild des mittelalterlichen Ritters. Da Ringe geschmiedet wurden, hatten
sie durch den Kontakt mit Feuer einen natürlichen Schutz vor Rost, nicht so stark wie bei V2A, aber immerhin. Diesen Effekt
kann man gut erreichen wenn man das Kettengeflecht mit einem Brenner erhitzt (nicht schmelzt!) und sich so ein leichter schwarzer Belag in das
Metall brennt. Wenn man dann noch das Kettengeflecht mit Öl einreibt und so einen leichten Ölfilm auf der Kette hat, und es nach Wasserkontakt
mit einem Tuch trockenreibt, dürfte es eigentlich auch nicht so schnell rosten. Falls dies doch mal passiert, kann man es mit
einem Sandstrahler oder authentischer Weise in einem mit Quarzsand gefüllten Fass reinigen. Der optische Effekt eines
solchen Kettengeflechts ist natürlich auch viel schöner als der von V2A oder Zink. Ausserdem ist das Material
sehr billig in der Anschaffung.
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