
Klangbeispiel eines Scheitholt (207K)

Wort Scheitholt - es meint ursprünglich "in
Scheite geschlagenes Brennholz" - dient spätestens
seit dem 16. Jahrhundert zur Bezeichnung eines
Musikinstruments (Grimm VIII, 1893, Sp. 2484). Unter dem
Namen Scheitholt wird eine Griffbrettzither
verstanden, die auf deutschem Sprachgebiet zum ersten Mal
und erstaunlich präzise von Michael Praetorius
beschrieben und abgebildet wurde.
(Michael Praetorius: Syntagma musicum, Band II, Theatrum Instrumentorum, Wolfenbüttel 1620, Taf. XXI)
Abbildungen eines Scheitholt vor Praetorius sind sehr selten, jedoch finden sich einige aus dem 15. Jhdt.
wie z.B. auf dem Hochaltar der Braunschweiger Brüdernkirchei (um 1410).
Frühe Scheitholte unterscheiden sich, von denen in Bayern bis ins 19. Jhdt. gespielten, durch die Saitenanzahl.
Zunächst waren sie mit 1 Spielseite und 2 Bordunsaiten (Quinte) und später mit bis zu 4 Spielsaiten und 16 Bordunsaiten bespannt (Unisono, Quinte, Oktav).
Gespielt wird der Schaitholt waagerecht vor dem Musiker, entweder auf den Knien liegend oder auf einem Tisch.
Das Greifen der Melodiesaiten auf den Bünden erfolgt mit einem Druckstab oder den Fingern der linken Hand.
Angespielt werden die Saiten mit einem Federkiel oder mit dem Daumen im Schlag (Praetorius: "mit dem rechten Daumen allezeit uberher geschrumpet").
Dieses "Ankratzen" der Saiten verlieh ihr auch den Namen "Kratzzither". Die Anordnung der Bünde waren eher ein
musikalischer Rückschritt. Die Anordnung der ersten 10 Bünde sind bei nahezu allen, orginalen Fundstücken
identisch und bilden eine rein diatonische Tonleiter:
| Bund |
0 |
1 |
2 |
3 |
4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| Tonschritt |
|
1 |
1 |
1/2 |
1 |
1 |
1/2 |
1 |
1 |
1 |
1/2 |
Aus dem Scheitholt entwickelte sich die Dulcimer, die im Aufbau identisch ist, jedoch in der Form des
Korpus stark zum Scheitholt variiert. Der Dulcimer ist heute noch fester Bestandteil der amerikanischen
Countrymusik.
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