Im Rahmen des stadtischen Heerwesens seien auch die Stadtmusikanten aufgeführt, obwohl sie nicht nur mit dem Münchener Bürgeraufgebot ins Feld ziehen, sondern in Friedenszeiten auch zu festlichem Spiel und Tanz, für Empfänge, Hochzeiten und Prozessionen Verwendung finden. Es handelt sich um eine festbesoldete kleine Musikantenschar, die "Pfeifer", im 14. Jahrhundert auch "Joculatores" oder "Fistulatores" genannt. 1334 taucht in der Kammerrechnung der erste Münchener Stadtmusikant auf, der mit einem Aufgebot stadtischer Schützen in den Krieg zieht und ihnen wohl zum Marschieren den Takt bläst, wofür ihm 90 Pfennige bezahlt werden. 1343 ist bereits von zwei Pfeifern die Rede, als die Münchener Bürgerwehr wegen eines Aufruhrs in die Tölzer Gegend ziehen muß. Die Stadt gewährt ihnen 5 Schillinge für ihre Gewander. Zwanzig Jahre spater, in der Kammerrechnung 1360162, treten sie unter den Amtleuten auf und beziehen zusammen 2 Pfund Quatembergeld. Für ihr Spiel beim Empfang Merzog Albrechts (1360) und im Kampf gegen den herzoglichen Jagermeister (1361) erhalten sie besondere Zuwendungen. Der erste namentlich genannte Pfeifer ist 1362 Ot (Otlinus), der mit seinem Spielgesellen aus der Stadtkammer das Geld für zwei Sattel bezieht, um zum Meer "ad exercitum" reiten zu können. Auch in den Feldzügen von 1368, die dem tirolischen Erbe Meinhards gelten, begleitet Ötlein der Pfeifer das reisige Volk. Am abendlichen Lagerfeuer mag er den wehrhaften Bürgern die Wartezeit verkürzt und das Meimweh nach Weib und Kind von der Seele geblasen haben. Das Stadtregiment legt im 14. Jahrhundert sichtlich Wert darauf, bei allen Feldzügen Pfeifer im Heer zu haben. Für ihr Musizieren bei der Fronleichnamsprozession, bei Festgelagen des Rats oder der Herzöge erhalten sie Trinkgelder. Besonderes Augenmerk richtet der Rat auf ihre hübsche, bunte, festliche Gewandung. So wirft er 1398 3 Pfund 30 Pfennige für 1O Ellen Tuches aus, um die Pfeifer neu einzukleiden. Derartige Ausgaben erscheinen immer wieder in den Kammerrechnungen. Auch für den "Scherer- und Schneiderlohn" kommt die Stadt auf. 1432 vermerkt der Stadtschreiber ausdrucklich, die Pfeifer seien mit dem gelieferten Tuch zufrieden gewesen. Ihre geringe Bezahlung wechselt, wahrscheinlich wird sie von den Kämmerern jeweils nach der Inanspruchnahme berechnet, jedenfalls erfolgt sie seit 1415 durchgehend unter der Rubrik "Amtleute". 1410 laßt die Stadt bei dem Goldschmied Jörg Schnitzer für jeden der zwei Pfeifer einen silbernen Brustschild herstellen, um die Gewandung noch festlicher zu gestaltenlten. Diese Schilde werden in Zukunft für die schlechtbezahlten Pfeifer nicht nur Schmuckstück, sondern wertvolles Pfandobjekt, wenn sie in Schulden stecken. So müssen die Kämmerer 1424 um 1 Pfund den Schild auslösen, den der Pfeifer Katzenzagel einem Bürger namens Lintacher verpfändet hatte. Die Pfeifer scheinen an diesen Schilden jedoch ein gewisses Eigentumsrecht besessen zu haben, denn ihre Witwen erhalten jeweils nach dem Tod des Mannes von den Kämmerern 1 Pfund (spater 1 Gulden) für "das Recht auf den Schild". Auch wenn ein Pfeifer vom Dienst absteht, erhält er bei der Abgabe des Schildes diese Summe. Auch zu privaten Festen, vor allem in der Karnevalszeit, werden die Pfeifer herangezogen und verdienen sich dabei ihr Trinkgeld. Als sie 1435 nach Herzog WiI_elms Tod in der Fastnacht nicht musizieren dürfen, gewahrt ihnen der Rat eine Sonderzulage von 5 Pfund. Seit 1429 sind gewöhnlich drei, seit 1498 vier beamtete Stadtmusikanten eingestellt. Seit der zweiten Halfte des 15. Jahrhunderts werden sie seßhaft, während es sich vorher mehr um fahrendes Volk gehandelt haben dürfte. Die neue Musikantengruppe des Albrecht Schnitzer, die 1493 vom Rat aufgenommen wird, bleibt jahrzehntelang in derselben Zusammensetzung im städtischen Dienst. 1498 kommt noch Schnitzers junger Sohn Arsaci als vierter hinzu. Gewöhnlich blasen zwei oder drei Mann die Querpfeife, einer oder zwei die Posaune. Der Posaunenblaser Jörg Plaicher erhalt jahrelang einen höheren Quatemberlohn aus der Kammer als die Pfeifenblaser, wahrscheinlich weil das Spielen auf diesem Instrument bedeutend anstrengender ist. Beim Tode des alten Albrecht Schnitzer übernimmt Plaicher für 20 Jahre die Leitung der Spielschar, dann tritt Arsaci Schnitzer an seine Stelle. Auch dieser wird 1559 wieder von einem Schnitzer, wahrscheinlich seinem Sohn (Hans) abgelöst. Die Inserumente der stadtischen Spielgruppe sind Eigentum der Stadt. Ein Inventarverzeichnis vom Jahre 1544 besagt, daß die Stadtpfeifer insgesamt 7 schreiende Pfeifen, 6 Flöten und 7 Zwergpfeifen, darunter 1 Feldpfeife und 1 Tanzpfeife in Händen haben. Dazu kommt die im Jahre 1538 voni Jörg Neuschl von Nürnberg um 9 Gulden gekaufte "Pusaun mit 2 Pögen und 1 Zügel". Die Musik der Stadtpfeifer genießt in München eine gewisse MonopolstelIung, daß die Musikantenschar eifersüchtig darüber wacht, daß bei festlichen Gelegenheiten keine fremden Spielleute auftreten. Im 16. Jahrhundert ziehen alljahrlich zum Rennen Jacobi zwei Pfeifer und ein Trommelschlager - sicher aus der Gruppe der Stadtmusikanten - mit der Bürgerwehr auf den Rennweg. Eine Eidesformel ist nicht nachzuweisen. Man kann die Musikantenschar daher als eine vom Rat in Bereitschaft gehaltene Berufsgruppe ansehen, die der Stadt bei gewissen Gelegenheiten zu Diensten sein muß und im übrigen der Gesamtbevölkerung zur Verfügung steht.

Zitiert aus "Roswitha von Bary - Herzogdienst und Bürgerfreiheit"
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