In diesem Artikel sollen keine vollstädigen Kostümkenntnisse des Mittelalters vermittelt werden,
sondern einige Punkte angesprochen werden, die unbedingt beachtet werden sollten, wenn man es sich zur Aufgabe gemacht hat, größtmögliche Authentizität zu wahren. Das dieses auch seine Grenzen hat, wird in dem Artikel öfters angesprochen. Diese Ausführungen gelten natürlich nur für den Zeitraum von 1158 bis 1330, da sich Communitas Monacensis diesen  zum Thema gemacht hat.

1.1. Kleidung

Unter der bekannten Zusammensetzung der Kleidung aus Untergewand (Cotte, Chainse...) und Übergewand (Surcotte, Suckenie) trug man noch ein nicht sichtbares Unterhemd, das "chemise". Da dieses unsichtbar ist, kann dessen Fehlen bei einem historischen Kostüm zwar kaum bemerkt werden, bei kaltem Wetter bietet sich die Verwendung desselben jedoch trotzdem an.

Eine Beschreibung von historischer Unterwäsche findet man in unserem Artikel: "In drei Schritten zur eigenen Bruche". . Diese wurde wohl vor allem von Männern getragen, Frauen trugen Unterwäsche meist nur in der Zeit der Monatsblutung. Nachdem auch die Verwendung historischer Unterwäsche kaum überprüft werden kann, ist es jedem frei gestellt auch neuzeitliche Unterwäsche zu verwenden.
Für alle Frostbeulen und naßkaltes Wetter, ist es angeraten, neben dem eigentlichen Kostüm auch einen Mantel zu schneidern. Beschreibungen dazu finden sich in dem Buch U. Lehnart, Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik (1150-1320), ISBN 3-9805642-2-3, 42,- DM . Dieses Buch sei auch jedem empfohlen, der sich in die Kostümkunde vertiefen möchte.

1.2. Schnitte

Bei der Herstellung eines historischen Kostüms der Früh- bis Hochgotik gilt es vor allem eines zu beachten: es gibt keine Quernähte! Das bedeutet nicht etwa es gäbe keine Schulternähte, da diese ja für Schulterschrägung notwendig sind. Aber eine Aufteilung des Gewandes in Ober- und Unterteil (Rock), durch eine Naht in der Taille verbunden, so etwas gab es nicht! Etwa ab der Taille wurden Keile eingesetzt um das Gewand weiter zu machen. Dann ergibt sich auch ein toller Faltenwurf.

Die unterschiedlichen Formen der Nähte findet man wiederum im Buch "Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik".
Allerdings ist der Aufwand, ein Kostüm von Hand zu nähen sehr groß, so daß hier die Verwendung einer neuzeitlichen Nähmaschine erlaubt sein sollte.

1.3. Stoffe

In der Regel wurden Leinen- und Hanfgewebe für die Unterkleidung, Wollgewebe für die Oberbekleidung verwendet, die Reichen konnten sich Seidenbrokat leisten. Ausserdem gab es Mischgewebe z.B. Seide/Leinen, Wolle/Leinen/Wolle und Baumwolle/Leinen. Reine Baumwollstoffe gab es in dieser Zeit ebensowenig wie Samt, da dieser im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts erfunden wurde. Leder diente vor allem als Arbeitskleidung (z.B. Schmiedeschürzen) und als Material für Schuhe ( Schuhbauanleitung).
Die Kleidung wurde häufig mit kontrastfarbigen Stoffen gefüttert.

1.4. Zubehör - Kleidung

Zu einem historischen Gewand gehört immer das schmückende Zubehör um den optischen Eindruck zu vervollständigen. Das die Zubehörliste nicht bei Schwert und Essmesser enden muss, kann man wiederum im Buch "Kleidung und Waffen der Früh- und Hochgotik" nachlesen. Für die Herren gehört zum Zubehör natürlich der Gürtel, aus Leder/punziert, brettchengewebt und/oder bestickt, ausserdem das Essmesser, der Almosenbeutel mit Inhalt: Kamm, Löffel, Taschentuch, Münzen (und Handy für die Unverbesserlichen!), Fingerhandschuhe für ein Adelskostüm. Die Damen tragen einen schmäleren Gürtel als die Herren, Gürteltaschen, Beutel, Broschen, zahlreiche Knöpfe auf der Kleidung (häufig als Zierde, weniger als Verschluss). Ohr- oder Halsschmuck ist unüblich, da man ihn bei den üblichen Kopfbedeckungen eh nicht sehen würde.

Nicht nur die Gürtel bestanden aus brettchengewebten Borten, auch die Säume der Kleidung wurden häufig mit Borten besetzt. Häkelborten wurden allerdings erst viel später erfunden, diese sollten also tunlichst nicht verwendet werden, ebenso Klöppelborten.

Beschreibungen über das Brettchenweben sind im Artikel zum Brettchenweben. Dort sind auch inzwischen einige Webbeispiele zu sehen!

1.5. Zubehör - Lager

Auch beim Lager kommt es  zu zahlreichen Stilbrüchen, häufigster Stilbruch ist das Trinkhorn. Dieses passt
natürlich weder zur Zeit noch zur Kultur, und sollte daher doch besser zuhause an der Wand hängen bleiben.
Eine kurze Zusammenfassung, soweit es uns betrifft: Geschirr bestand vor allem aus gebranntem Ton (z.B. Standbodentöpfe), oder aus Holz, entweder gedrechselte Teller, Schalen, Kannen oder geböttchert: Daubenschale, Kannen... Aus Metall waren vor allem die großen Kochgefäße: Kessel, Pfannen, Kellen, Roste und natürlich Messer. Das Besteck bestand aus Messer und Löffel, letztere aus Holz oder Horn.

Fazit:

Dieser Artikel umfasst natürlich nicht die ganze Bandbreite mittelalterlicher Kostümkunde, soll aber einen Einblick bieten, um grösste Fettnäpfchen zu umgehen. Interessierte sollten die angegebenen Quellen nutzen, um weitere Einblicke in dieses umfangreiche Thema zu erlangen.

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