von Sandra Brehm

Inhalt

  1. Einführung
  2. Untergewänder
  3. Obergewänder

  4. Kopfbedeckungen
  5. Kleidungszubehör
  1. Einführung


  2. Diese Einführung ist als Leitfaden für selbsterstelle Kostüme gedacht. Leitfaden daher, da wir (genauso wie die Wissenschaft) Probleme mit der Rekonstruktion der Gewänder haben. Allerdings habe ich mich bei der Verfassung dieses Artikels sehr genau an die überlierferten Tatsachen gehalten (immerhin sind sehr viele Bilder und sogar einige Kleidungsstücke erhalten geblieben).

  3. Untergewänder

  4. Fangen wir doch mit der untersten Schicht an, welche beim einfachen Bauern und beim Adel gleich ist: die
    Bruche
    . Die Bruche ist die "Unterhose des Mittelalters". Der Stoff der Bruche wude zwischen den Beinen hindurch gezogen und mit Kordeln (fingerloopbraiding) zusammengebunden. Der übrige Stoff wurde über der Kordel / dem Band zusammengerollt. Die herunterhängenden "Hosenbeine" wurden mit Schnüren an dem Rollbund befestigt. Ebenfalls an dem Rollbund wurden die
    Beinlinge
    befestigt. Diese oberschenkellangen Socken wurden an den Innenseiten der Oberschenkel leicht geschlitzt (Beinlinge im Hortus Deliciarum / Grab Kaiser Konrads II. in Speyer). Nach dem damaligen Geschmack sollten die Beinlinge möglichst eng sein (aus praktischen und logischen Erkenntnissen ist es nicht möglich, eine Bruche unter sehr engen Beinlingen zu tragen, da die unvermeidliche Faltenbildung das modische Aussehen beeinträchtigt). Bei heissem Wetter wurden die Beinlinge von den Bauern auch weggelassen.
    Der Adel trug ein aus weissem Leinen oder Seide gefertigtes
    Unterkleid
    , welches die Kleidung vor Schweiss schützen sollte, da das waschen der Obergewänder damals um einiges schwerer war, als heute. Dieses Unterkleid war meistens Knöchellang, nicht ganz so weit ausgestellt wie das der Damen und hatte eng zulaufende Ärmel. Bei Reitern war es üblich, das Untergewand vorne und hinten zu schlitzen. Zum Ende des 13. Jahrhunderts wurde das Untergewand bei den Männern etwas kürzer und reichte im 14. Jahrhundert nur noch knapp übers Knie.


    Bruchen, Abbildung aus Lehnart

    vgl. auch diese Abbildung


  5. Obergewänder

  6. A. Die bäuerliche Kleidung

    Der Mann trug meist ein etwa knielanges Hemd aus Leinen, welches gegürtet wurde. Es hatte schmal zulaufende Ärmel. Es wird auch beschrieben, dass viele Bauern einen halbrunden Mantel hatten, der vorne mit einer Fibel geschlossen wurde.

    B. Die städtische und adlige Kleidung
    Die Mode der besser gestellten Herren ähnelte sehr denen der Damen. Allerdings trug Mann nur knöchellange Kleider, die auch nicht ganz so weit ausfielen. Über dem Untergewand trug man eine
    Cotte
    , welche meist mit farbig kontrastierendem Stoff gefüttert wurde. Ebenso wie das Unterkleid konnte auch die Cotte geschlitzt werden (vorne und hinten in der Mitte). Die Cotte wurde gegürtet getragen, wenn man auf den Überrock verzichtete. Den Überrock oder auch
    Surcot
    genannt, gab es in verschiedenen Ausführungen: in unterschiedlichen Längen, mit rundem oder V-Ausschnitt, mit oder ohne Ärmel. Die Surcot war meist bis in den Schritt (wieder hinten und vorne in der Mitte) geschlitzt. Zusätzlich konnte die Surcot auch seitliche (hin und wieder mit Knöpfen verschliessbare) Schlitze aufweisen. Die Manessische Liederhandschrift (zum Ende des 13. Jahrhundert) zeigt eine oft verwendete Form der Surcot: lange, zum Handgelenk hin enger werdende Ärmel, die nur am oberen Schulterrand festgenäht wurden. Die Cotte als auch die Surcot wurden am Kragen und an den Ärmeln (teilweise sogar an den Oberarmen) mit (brettchengewebten) Borten verziert. Die Gewänder der verschiedenen Stände unterschieden sich in: - Art des Stoffes (grobes Leinen für Unfreie / Bauern, Brokat und Seide für Adlige),
    - Menge des verarbeiteten Stoffes
    - Verzierung der Gewänder mit Borten (bei sehr reichen Gewändern waren die Borten mit Goldfaden durchwebt), aufgenähten Edelsteinen
    - wer reich genug war, sich eine Rüstung zu leisten, trug diese auch aus Prestigegründen.
    Bild Cotte, Surcotte Codex Manessus, Tafel 55

    C. Der Umhang

    Wie bei der bäuerlichen Kleidung schon erwähnt trug der untere Stand einen halbrunden Mantel, geschlossen durch eine Fibel. Bei den höheren Ständen war der
    Tasselmantel
    hoch im Kurs. Dies ist ein halbrunder Mantel (ähnlich dem des Bauern), der mit farbig kontrastierendem Stoff gefüttert und mit einer Schnur, der Tassel, geschlossen wurde. Die Besonderheit des Tasselmantels ist, das die Tasselscheiben ziemlich gross waren. Zum Ende des 13. Jahrhundert erschien der
    Gardecorps
    (Körperschutz). Er war ähnlich wie die Surcot geschneidert, und hatte einen mit Knöpfen verschiessbaren Schlitz. Ebenso wies der Guardecorps eine angenähte Kapuze auf. Das Besondere an diesem Mantel ist, dass die komplett angenähten Ärmel in Höhe der Ellenbogen einen Schlizt aufwiesen, durch den man Hände und Unterarme stecken konnte. Wer es sich leisten konnte, der fütterte seinen Mantel nicht mit kontrastfarbigem Stoff, sondern mit Pelz (nicht Fell).

    Bild Guardecorps Codex Manessus Tafel 32

    Bild Tasselmantel Codex Manessus Tafel 27

  7. Die Kopfbedeckung

  8. Die häufigste Kopfbedeckung, die von allen Ständen getragen wurde, ist die
    Bundhaube
    (sieht aus wie eine Babymütze). Sie bestand aus weissem Leinen und wurde mit zwei Schnüren unter dem Kinn gebunden. Man trug die Bundhaube aus hygienischen Gründen, um die Haare vor dem Staub und Schmutz der Strasse, dem Kaminrauch und fremden Kopfläusen zu schützen. Eine andere, sehr beliebte Kopfbedeckung war die
    Gugel
    . Bei der einfachen Bevölkerung bestand die Gugel aus einfachem Wollstoff; bei den adligen hingegen war sie mit kontrastfarbigem Stoff oder Pelz gefüttert. Der Gugelzipfel war im 13. Jahrhundert noch recht kurz und wuchs erst im 14. Jahrhundert zu beachtlicher Länge an. Das
    Schapel
    wurde nicht nur von unverheirateten Frauen getragen, sondern auch von Männern. Bei den Herren war das Herstellungsmaterial hauptsächlich Metall. Blumenkränze waren allerdings genauso üblich. Hüte, wie der Jagdhut oder der Pilgerhut wurden erst anfang des 14 .Jahrhundert getragen.

    Bild Schapel Codex Manessus Tafel 37

  9. Kleidungszubehör

  10. Um das Herrengewand abzurunden nun zu den modischen "Kleinigkeiten". Zu jeder Gaderobe wurde ein (brettchengewebter) Gürtel getragen, oft länger war als notwendig und die Enden bis fast zum Knie herabhingen. Der Almosenbeutel war ein Muss, schon weil man keine Hosentaschen hatte. In ihm wurden Löffel, Messer, Kamm, Kleingeld für die Bettler und weitere wichtige Sachen aufbewahrt. Während Reisen oder auf der Jagd trug man eine Art Gürteltasche, die mit zwei Schlaufen an der Rückseite am Gürtel befestigt wurde.

    Quellen
    :
    Codex Manessus
    Codex München
    Rüstung Gewandung Sachkultur des deutschen Hochmittelalters - Gösta Ditmar-Trauth
    Kleidung & Waffen der Früh- und Hochgotik - Ulrich Lehnart
    (Tempora Nostra)
    Historica Geschichte

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