Vorwort
Gewandung der Frauen
Hemd
Untergewand
Frühgotik
Hochgotik
Übergewand
Frühgotik
Hochgotik
Mantel
Frühgotik
Hochgotik
Kopfbedeckungen
Frühgotik
Hochgotik
Weiterführende Links

Vorwort

Dieses Dokument stellt ein Kapitel einer Themensammlung dar, die Mitglieder des Vereins Communitas Monacensis verfasst haben, um die historisch korrekte Herstellung ihrer eigenen Gewandung (und besonders der neuer Mitglieder) zu erleichtern. Die Anleitungen beschränken sich daher - wie der Verein - auf den Zeitraum von 1150 bis 1250.
Es handelt sich hierbei nicht um ein weiteres wissenschaftliches Werk - derer es manigfaltig im einschlägigen Buchhandel käuflich zu erwerben gibt - sondern um eine kurze, praxisnahe Zusammenfassung, die auf die Interessen und Belange der Communitas Monacensis zugeschnitten ist.
Verwiesen sei bei weitreichenderem Interesse u.a. auf die Literaturliste des Vereins (zu finden auf der Homepage), die alle im Verein vorhandenen Bücher zum Thema Mittelalter beinhaltet. Die Besitzer der Bücher geben gerne über deren Inhalt Auskunft und verleihen sie auch gegebenenfalls.
Zusätzlich sei jedem empfohlen, selber zu recherchieren. Schnitte, Stoffe und Verarbeitungstechniken, die nicht durch im Verein bekannte Literatur zu belegen sind, muss das Mitglied selbst anhand glaubhafter Quellen nachweisen.
Dabei ist zwischen historischen (= Primär-) und geschichtswissenschaftlichen (= Sekundärquellen) zu unterscheiden.
Primärquellen sind beispielsweise:
  • Zeichungen aus zeitgenössischen Büchern
  • Texte aus dem entsprechenden Zeitraum
  • Archäologische Funde von Textilien
  • Zeitgenössische Skulpturen und Malerei, z.B. in Kirchen
Auch im Mittelalter wurde jedoch nicht immer die Realität dargestellt, sondern idealisiert, sodass sogar Darstellungen aus Primärquellen teilweise diskussionswürdig sind.
Sekundärquellen sind beispielsweise:
  • Artikel aus einschlägigen Fachzeitungen
  • (Populär-) wissenschaftliche Bücher
  • Das Internet (Seiten anderer Mittelaltergruppen, Museen, etc.)
Die Primärquellen werden dabei nicht immer gleich ausgelegt. Da man bis heute neue Erkenntnisse über diese Zeit gewinnt, sind neuere Quellen meist vertrauenswürdiger, da aber gerne aus älteren Veröffentlichungen zitiert wird, sollten ggfs. Aussagen verschiedener Autoren gegenübergestellt werden.

Gewandung der Frauen

Die höfische Kleidung wandelte sich in der Zeit von Romanik über Gotik zu Hochgotik von weiten Hemdkleidern zu enger, körperbetonte, reich verzierter Kleidung, erst mit weiten langen Ärmeln, später mit aufwendigem Faltenwurf. In der Frühgotik wurden anscheinend sowohl noch weite, als auch bereits enge Gewänder getragen.
Die folgende Beschreibung der einzelnen Kleidungsstücke erfolgt in der Reihenfolge ihres Anziehens, d.h. vom Untergewand bis zum Mantel. Auf Unterschiede zwischen Früh- und Hochgotik wird hingewiesen.
Da der Stoff nur ca. 50 cm breit gewebt wurde, wurden die Schnitte darauf ausgelegt, dies ist an Orginalfunden nachzuvollziehen. Wenn mehr Weite benötigt wurde (beispielsweise beim Rock und unter den Ärmellöchern), wurden seitlich Keile eingesetzt, die sogenannten geren.

Hemd


Abbildung 1 - Hemede

Unter dem im nächsten Kapitel beschriebenen Untergewand wurde ein einfaches Hemd getragen (Abbildung 1), das hemede (frz. chemise) genannt wurde. Der Schnitt war der einer Tunika. Es sollte möglichst nicht zu sehen sein und die kostbaren Obergewänder vor dem Körperschweiß schützen.
Weitere Unterwäsche, wie sie heute benutzt ist, war bei Frauen nicht im Gebrauch. Auch Strümpfe wurden nicht getragen.

Untergewand




Abbildung 2 - Chainse

Frühgotik

Das zweite Untergewand, der sogenannte chainse (Abbildung 2) wurde unter einer cotte (Abbildung 4) oder einem bliaut (Abbildung 5) getragen. Es bestand aus besonders feinem Leinen, dem chainsil, da es am Halsausschnitt zu sehen war. Hier wurden deshalb auch Verzierungen eingestickt. Der chainse wurde in feine Falten gelegt, wobei bis heute nicht bekannt ist, wie diese am Halsausschnitt und auf den Schultern befestigt wurden.


Abbildung 3 - frühgotische Cotte

Auch die cotte (Abbildung 3) wurde über dem Hemd getragen. Man konnte sie ohne weiteres Übergewand tragen oder unter dem surcot (Abbildung 6), während das chainse, immer nach einem Übergewand in Form von bliaut oder cotte verlangte. Eine cotte ohne Übergewand wurde besonders prachtvoll geschmückt. Zu Hofe trug man sie mit Schleppe, sie wurde aus kostbaren Stoffen genäht und mit Pelz oder Stoff gefüttert. Man verzierte sie mit Stickereien, genannt orfeis oder fasste die Ärmel, Halsausschnitte und Rocksäume mit Seiden- oder Brokatborten ein.
Wenn über der cotte noch ein Obergewand getragen wurde, wurde sie meistens nicht gefüttert und aus weniger kostbarem Stoff gefertigt. Bei den Frauencotten waren die Ärmel im Unterarmbereich seit etwa 1250 eng, da es jedoch noch keine Knöpfe gab, vermutet man, dass die cotte Schlupfärmel hatte, d.h. überlange Ärmel, die man oberhalb des Handgelenks in viele kleine Fältchen schob.


Abbildung 4 - Hochgotische Cotte um 1250

Hochgotik


Die cotte wandelte sich: Es gab weiterhin die althergebrachte Form mit gerader Schulter, geradem Mittelteil und gerade angesetzten Ärmeln und eine an die Körperform angepasste Variante mit schräger Schulter und rund eingesetzten Ärmeln (Abbildung 4).
Da der runde Halsausschnitt eng war, wurde er durch einen Schlitz ergänzt, wie auch bereits beim hemede zu erkennen (Abbildung 1). Der Schlitz wurde entweder senkrecht in der Mitte oder waagrecht auf der Schulter angebracht. Um eventuell ungewollter Entblößung vorzubeugen, wurde der Schlitz durch eine fibel, einen fürspann, durch Bändchen oder Schlaufen und Knöpfe verschlossen.

Übergewand



Abbildung 5 - Bliaut

Frühgotik

Im 12. Jahrhundert trug man über dem chainseden knöchel- bis bodenlangen bliaut (Abbildung 5). Ab 1170 hatte er oft eine Schleppe. Der bliaut für Männer war deutlich kürzer. Der bliautwurde seitlich geschnürt, wodurch Querfalten im Rumpfbereich entstanden. Um den Längenverlust durch die Falten auszugleichen, wurde das Gewand im Mittelteil überlang geschnitten. Anfangs ließen sich die Frauen in das Gewand regelrecht einnähen, später wurde das An- und Ausziehen durch Ösen und Bänder erleichtert. Die Schnürung wurde auch zu Schmuckzwecken verwendet, indem breite Schlitze offen gelassen wurden, durch die das Untergewand zu sehen war.
Der bliaut wurde mit Hängeärmeln ausgestattet, die bis zur Mitte des Unterarms eng geschnitten waren und sich im letzten Stück sehr weit öffneten. Es gab dabei viele Variationen in Form und Länge, mancher Ärmel ging bis zum Boden. Der bliaut hatte wahlweise einen runden oder V-förmigen Halsausschnitt.
Um die Fältelung zu ermöglichen, wurde der bliaut nicht oder nur mit dünnen Stoff gefüttert.
Der fast immer verwendete Gürtel war breit und lang genug, um ihn zweimal um die Taille zu schlingen. Man benutzte brettchengewebten Borte, deren Enden aus geflochtener Kordel bestanden, oft verziert mit Quasten, Metallringen oder Knoten


Abbildung 6 - Frühgotischer Surcot

Zu Beginn des 13.Jahrhunderts wurde der bliaut durch den surcot (Abbildung 6) verdrängt. Beim surcot handelte es sich in der Frühgotik um ein eng anliegendes, sehr körperbetontes Gewand mit Hängeärmeln und Schleppe (swenzelin). Der surcot wurde immer gefüttert, für kalte Tage mit Pelz, für warme mit Seide in einer anderen Farbe als der Oberstoff. Wahrscheinlich wurde der surcot im Gegensatz zum bliaut am Rücken geschnürt, da es keinerlei dokumentierte Hinweise auf seitliche Schnürungen gibt.
Der surcot hatte die gleichen Ärmel, wie der bliaut, also bis zum Ellenbogen eng mit trichterförmig gestalteten Enden. Teilweise waren die Ärmel nicht angenäht, sondern angenestelt (mit Bändchen angeknotet) und wurden an den Liebsten verschenkt. Es gibt zwar keine Abbildung eines surcots mit dieser Art Ärmel, dafür wurde der einzelne Hängeärmel als Symbol auf Ritterschildern verwendet.
Außer, dass der surcot eine zeitliche Weiterentwicklung des bliautsist, sind die maßgeblichen Unterschiede, dass unter dem bliaut die chainse, unter dem surcot jedoch die cotte getragen wurde. Der Schnitt ist sehr ähnlich, wobei die Fältelung durch die nicht mehr vorhandene seitliche Schnürung nicht mehr vorkommt.

Abbildung 7 Dame im surcot, Codex Manesse, Tafel 103
Hochgotik
surcot2
Abbildung 8 hochgotischer, ärmelloser surcot (suckenie)
Die hochgotische Kleidung unterscheidet sich von der frühgotischen besonders beim Faltenverlauf, da keine Querfalten mehr vorkommen. Man nähte die Gewänder überlang, so dass sowohl cotte als auch surcot über den Boden schleiften. Der surcot hatte hinten zusätzlich noch eine etwa 30 bis 45 cm lange Schleppe.
Damit man beim Laufen nicht stolperte, wurde das Obergewand nach oben gerafft und mit einer Hand gehalten oder über den Oberarm gelegt.
In der Hochgotik wurde der surcot ärmellos oder mit unterschiedlich langen und weiten Ärmeln getragen. Der ärmellose surcot hieß auch suckenie. Im 14. Jahrhundert entwickelten sich daraus die Höllenfenster (übergroße Armlöcher bis zur Taille).
Bis etwa Ende des 13. Jahrhunderts ist der surcot weit und ohne Taille und hat eine Schleppe. Die Kopf- und Armausschnitte sind relativ klein und mit Borten verziert. Der surcot ist weiterhin immer gefüttert. Im Codex Manesse sind viele Darstellungen zu sehen. Hier kann man auch die ersten Knöpfe bewundern, die in der Hochgotik verwendet wurden.

Abbildung 9 Dame im surcot mit tasselmantel, Codex Manesse, Tafel 17
Mantel
gardecorps
Abbildung 10 gardecorps
Frühgotik
Bis zur Hochgotik war der Mantel nur ein großes, rechteckiges Umschlagtuch. Man konnte sich dieses Tuch auch über den Kopf legen. Es wurde entweder über die Schulter geschlagen oder mit einer fibel seitlich verschlossen.
Hochgotik
Der Tasselmantel entwickelte sich aus diesem Umschlagmantel. Der Tasselmantelist halbkreisförmig und hat daher eine einheitliche untere Länge. Als Verschluss wird die Tasselschnur verwendet, die entweder in zwei Quasten (tassels) oder in Tasselscheiben endete. Der Halsausschnitt war rund, aber es gab eine Variante mit Umschlagkragen. Der Tasselmantelwar aus Wolle oder Seide und wurde im Sommer mit kontrastfarbiger Seide und im Winter mit Pelz (Grauwerk oder Feh = Winterpelz des russischen Eichhörnchens) gefüttert.
Ein überwiegend von Männern getragener Mantel ist der gardecorps (Abbildung 10). Er wurde als Reisemantel verwendet und im Codex Manesse gibt es mehrere Abbildungen, auf denen auch Frauen ihn tragen (Abbildung 11). Der gardecorps hat lange, bis auf den Boden reichende Zierärmel, die im oberen Drittel geschlitzt sind. Außerdem ist der gardecorps wegen der besseren Wärmeisolierung vorne geschlossen und hat nur in der vorderen unteren Mitte einen Gehschlitz.

Abbildung 11 gardecorps, Codex Manesse, Tafel 59 und 81
Ein weiterer Manteltyp, die kappe, wird als vollkreisförmiger, ebenfalls geschlossener Mantel beschrieben, ist jedoch historisch nicht belegbar.
Kopfbedeckungen
Kopfbedeckungen
Abbildung 12 Damenkopfbedeckungen, Codex Manesse, Ausschnitte aus Tafel 6, 23, 27, 29, 37 und 51
Frühgotik
Verheiratete Frauen bedeckten üblicherweise den Kopf mit einem Schleier. Damen des Hochadels trugen wahlweise auch eine Krone oder ein Diadem. Das lange Haar wurde zu Zöpfen gebunden oder offen getragen.
Hochgotik
In der Hochgotik trugen verheiratete Frauen immer eine Kopfbedeckung, z.B. ein Haarnetz oder einen Schleier (Abbildung 12), nur unverheiratete junge Frauen und Mädchen durften das Haar unbedeckt lassen.
Damit der Schleier auf dem Kopf hielt, wurde ein schapel, ein breites Stirnband aus gesteiftem Leinen benutzt. Das schapelwar ein Reif aus vergoldetem Silberblech, der mit Metall-Rosetten und Edelsteinen verziert war. Er wurde nicht nur von Jungfrauen, sondern auch von jungen Männern getragen. Zusätzlich gab es das gebende, eine aus Leinen gefertigte Kinnbinde. Das gebende wurde so straff angelegt, dass es die Frauen beim Essen, Sprechen, Lachen usw. stark behinderte.
Weiterführende Links
A Study of 12th and 13th Century Clothing Eine Analyse der Kleidung aus dem 12. und 13. Jahrhundert anhand von Primärquellen.
Black in Period. The use of black as dye, ink and paint between 1150-1250. Zur Verwendung von Schwarz im Zeitraum 1150-1250.
12th and 13th Century Velvet Ein kleiner Artikel zur Verwendung von Samt.
Tempora Nostra - Die Miniaturen der Manessischen Liederhandschrift Alle Tafeln der Manessischen Liederhandschrift (Codex Manesse). Auf den Webseiten von Tempora Nostra findet man auch weitere interessante Artikel, nicht nur über Gewandungen.
Mittelalterbekleidung Anleitungen für einfache Kostüme, mit Schnitten.
Some clothing of the middle ages. Historical Clothing from Archaeological Finds, primarily focusing on England, and the Scandinavian Milieu. Seite mit Schnitten von Orginalfunden aus dem Mittelalter.
Weitere Linkseiten auf der Website der Communitas Monacensis.
  © by Darkness & MaYmI