von Anja Klein

Paläste neben Hütten

Die Wohnqualität war - genau wie heute - stark abhängig von den finanziellen Mitteln. Reiche Leute wohnten luxuriös, arme sehr einfach. Es gab Paläste und Hütten. Jedoch waren auch die prächtigsten Wohnungen, die des Hochadels, der Könige oder des reichen städtischen Patriziats, nach heutigen Maßstäben bestenfalls einfach, die durchschnittliche Wohnung armselig.

Als das "schöne Haus" galt ein Steinbau, üblicher waren aber Holz- und Fachwerkbauten, deren Fächer mit lehmverputztem Weidengeflecht oder mit Ziegeln gefüllt wurden. Das Dach konnte mit Holzschindeln, Stroh, Schilf oder Holzplatten gedeckt sein, Dachziegel waren sehr teuer und wurden oft von den Städten bezuschusst, um die Brandgefahr zu mindern. Stein, z. B. Schiefer, kam nur an den entsprechenden Fundorten vor.

Da Stein als repräsentativ galt, wurden zunächst vor allem städtische Repräsentativbauten, z. B. Rathäuser, in Stein gebaut. Andere Beispiele zeigen aber auch, dass bescheidene Steinhäuser neben wesentlich repräsentativeren und größeren Fachwerkhäusern von allen Bevölkerungsschichten gebaut wurden. Frühe Beispiele für bürgerliche Steinhäuser sind das 1225 erbaute Overstolzenhaus in Köln und das um 1200 erbaute Runtingerhaus in Regensburg, das auf einen adeligen Wohnturm zurückgeht. Später beschleunigten Holzknappheit und relativ günstige Preise den vermehrten Bau von privaten Steinhäusern, dennoch blieb ein Steinhaus lange Zeit das Privileg der Reichen. Oftmals wurden auf ein steinernes Keller- und Erdgeschoss Fachwerk-Obergeschosse gebaut. Ziegelbauten setzten sich am ehesten in Norddeutschland durch, da es dort an Steinen mangelte.

Die Ärmeren wohnten zur Miete in Kellern, Häuschen oder Buden. Solche Zinshäuschen wurden oft an der Rückseite von Hausparzellen reicher Bürger oder geistlicher Institutionen errichtet, hatten manchmal nur einen Raum und bestimmten so das Bild der Nebengassen.

Das gebräuchliche Haus auf dem Land und in der Stadt war im Früh- bis Hochmittelalter sehr klein, oft nur 6x8 m Grundfläche, und das auch noch inklusive Stall. Erst im Laufe des Hochmittelalters kam es zur Trennung der verschiedenen Funktionen auf verschiedene Räume, d. h. davor fand alles in ein bis zwei Räumen statt. Das ist vergleichbar mit der heutigen Wohnsituation in den Ländern der 3. Welt, z. B. Afrika, wo ein Raum in der Hütte alle und alles beherbergt. Erst die Trennung der Funktionen brachte einen erhöhten Komfort mit sich, reiche Leute konnten sich so private Rückzugsräume schaffen. Im Spätmittelalter (und natürlich auch danach) wurden die vorhandenen Häuschen oft um Anbauten ergänzt, wie z. B. Ausgrabungen in Konstanz zeigen. Üblich waren auch Galerien, Außentreppen und Lauben (=hölzerne Anbauten).

Kühle, verrauchte und feuchte Räume

Selbst in großflächigen Wohnungen mit vielen Zimmern waren nur einzelne Räume beheizt. Dabei wurde hauptsächlich mit Holz in Kaminen geheizt, selten mit Holzkohle. Steinkohle war ziemlich unbekannt. Eventuell wurden bei Kälte extra Kohlebecken aufgestellt. Das adelige Frauengemach in der Burg, die "Kemenate", war nach dem Kamin benannt (lat. caminata = beheizbarer Raum). Erst im Laufe des 15. Jh. kam in Deutschland der Kaminofen in Gebrauch. Ein Heizversuch auf dem offenen Herd im niedersächsischen Museumsdorf Cloppenburg in einem alten Hallen-Fachwerkbau zeigte, dass nur wenige Grad über der Außentemperatur erreicht wurden. Da die Fenster im Hochmittelalter noch kein Glas hatten, konnten selbst beheizte Räume die Wärme nicht halten.

Die Bezeichnung "Rauchhaus" ist Programm: überall Rauch, der einfach durch das Reet- oder Strohdach abzog. In zweigeschossigen Häusern diente als Rauchfang und Rauchschutz der oberen Kammern ein offener Schacht, der auf dem Dachboden endete und nicht bis draußen geführt wurde ("Hur"). Vor Funkenflug schützte eine in den Schacht eingesetzte lehmverputzte Weidenmatte ("Kutte"). In oberbayerischen Bauernhäusern setzte sich der "russische Schlot" (der geschlossene, gemauerte Schornstein) erst mit Beginn des 20. Jh. durch. Vorteil des Rauchs auf dem Dachboden war die Konservierung des Daches und die Trocknung von dort gelagertem Heu und Getreide, Nachteil schlechter Zug und Kaltlufteinfall.

Im Laufe des Hochmittelalters wurde die Stube, der gebräuchliche Wohnraum, meist sorgfältig ganz aus Holz gezimmert - wovon unser heutiges "Zimmer" abgeleitet ist. Wände, Decke und waren getäfelt und der Boden mit Dielen belegt. Dabei war die Zimmerhöhe eher niedrig, um das Heizen zu vereinfachen. In der Stube stand der Ofen, der in der Regel von außen, z. B. aus der Küche oder vom Flur beheizt wurde. Damit war die Stube der einzige rauchfreie Raum im Haus.

Auch Adelige auf ihren Burgen wohnten nicht anders. Neben dem großen für alle Bewohner bestimmten Gesellschaftssaal gab es ein Zimmer für den Hausherrn und seine Frau sowie weitere Schlafräume und (Dach-)Kammern für die Kinder, Kammerfrauen und Pagen, außerdem eine Burgkapelle. Die übrigen Räume dienten der Versorgung.

In der Stadt war das Patrizierhaus mit einem Saal oder einer Wohnstube für den Hausherrn und seine Gäste im Obergeschoss ausgestattet (das schöne Gemach, "piano nobile"), im Erdgeschoss lagen dagegen Werkstatt oder Laden und nach hinten (oft getrennt) die Küche.

Eher dunkel als hell

Licht fiel durch relativ kleine Fenster, die nicht verglast waren, sondern mit einem bespannten Rahmen gefüllt waren, der zur Seite geschoben oder gedreht wurde. In dem Rahmen waren Leinwand, Papier, Pergament oder dünne Häute gespannt, die zwar den Wind und Regen abhielten, aber auch Licht. Zusätzlich konnten die Fenster mit einem Holzladen verschlossen werden. Die Holzläden schlugen entweder seitlich auf oder nach oben.

Nach Einbruch der Dunkelheit wurde mit Öllampen, Kienspan, Talglichtern (Unschlittlichtern) und in Ausnahmefällen mit teueren Bienenwachskerzen Licht gemacht. Licht war jedoch so teuer, dass Leuchter mit mehreren Lichtquellen als Luxus galten. Außerdem war man sparsam, um mit seinen Vorräten durch den dunklen Winter zu kommen. Im Allgemeinen passte man seinen Tagesablauf dem Sonnenlicht an, d. h. man stand bei Tagesanbruch auf und ging kurz nach Sonnenuntergang schlafen. Eine sicherlich viel genutzte Einrichtung in reichen Häusern und auf Burgen waren die mit Sitzgelegenheiten ausgestatteten Fensternischen.

Kienspanbeleuchtung hat sich in einzelnen Fällen, z. B. armen österreichischen Bergdörfern, bis ins 20. Jahrhundert gehalten. Auf einem eisernen Ständer war eine Art Zwinge angebracht, in die ein angezündeter Nadelholzspan gesteckt wurde. Natürlich brennt solch ein Span nur einige Minuten, und oft war ein Kind damit beauftragt, für Nachschub zu sorgen.

Schöner Wohnen

Nach unseren Maßstäben waren die Räume spärlich möbliert und karg ausgestattet. Vorhänge an den Fenstern gab es keine, es galt schon als sehr reich, einen oder mehrere Teppiche oder bestickte Vorhänge an der Wand hängen zu haben. Prunkstücke aus adeligen Räumen sind selten erhalten geblieben, ein Beispiel ist der 70 m (würde ich auseinander schreiben) lange Teppich von Bayeux oder die Bildteppiche aus dem Germanischen Nationalmuseum. Anderseits zeigen Funde aus Südtirol, Italien, aber auch der Schweiz und Konstanz, dass es wohl bei den Reichen üblich war, Wände mit Fresken zu bemalen. Beliebte Darstellungen waren Motive aus antiken Heldensagen, Jagd- oder Bibeldarstellungen, z. B. der Paradiesgarten. Dabei wurden auch Wandvorhänge imitiert und als Trompe d'Oeil aufgemalt.

Der Fußboden bestand entweder aus gestampftem Lehm, Ziegeln, Fliesen oder Holzdielen. Relief-Fliesen mit heraldischem Muster oder Steinfußboden mit verschiedenen Steinarten war in Rathäusern oder anderen Repräsentationsräumen zu finden. Es gab keine Teppiche auf dem Fußboden, bei großer Kälte aber vielleicht Binsen, loses Stroh, geflochtene Strohmatten oder ein Fell. Gestampfter Lehmfußboden hat eine gute Isolationswirkung, staubt aber ziemlich und tritt sich schnell ab, wie Nachbauten in Freilichtmuseen zeigen. Zumindest ab dem Spätmittelalter gab es in oberen Stockwerken von Stadthäusern mehrschichtige Deckenaufbauten mit Holzdecken nach unten und oben drauf z. B. Fliesen- oder Mörtelboden.

In den Stuben war an der Wand entlang eine Bank fest eingebaut, die in einigen Fällen auch als Schlafgelegenheit diente. In vielen Bauernhäusern war es aber noch bis zum 19. Jh. üblich, im Winter die Hühner und andere Jungtiere oder Kleinvieh in einen Verschlag unter der Bank zu halten, damit sie nicht erfrieren konnten. Stühle wurden erst später aus dem Thron heraus entwickelt und hatten mit Lehne und Armstützen repräsentativen Charakter. Auf dem (Thron-) Stuhl saß der Hausherr oder ein geschätzter Gast. Falt- und Klappstühle waren wohl eher auf Reisen bei adeligen oder Reichen üblich. Komfort wurde durch Sitzkissen, Polster und Federkissen hereingebracht.

Dazu ein Tisch, an dem die gesamte Hausgemeinschaft Platz fand, also die Familie mit allen Bediensteten, und einige einfache Bänke. Der Tisch war häufig mobil, d. h. zwei einfache Böcke, auf die eine Platte gelegt wurde und ein Tischtuch, das bis zum Boden hing. Nach dem Essen konnte so "die Tafel aufgehoben werden" und Platz sparend weggeräumt werden. In den Stuben und Zimmern wurde oft auch gearbeitet und geschlafen, als Mischung aus Werkstatt und Wohn-Schlaf-Raum. Als zweite Form gab es den Tisch mit zwei Seitenwangen, die durch einen Kasten/ Rahmen verbunden waren.

Man hob seine Sachen, z. B. Kleidung und Wäsche, in Truhen auf, Schränke waren erst seit dem 15. Jh. entwickelt worden, als erstes in Sakristeien. In Süddeutschland findet man eine Schrankform, die an zwei bis drei übereinander gestellte Truhen denken lässt. Ansonsten gab es Wandnischen, Regalborde oder Haken und Pflöcke an der Wand. Viele kleinere Behälter, z. B. kleine Kisten oder bemalte Spanschachteln wurden für Briefe, Dokumente und Schmuck verwendet.

Eigener Herd ist Goldes wert

Gekocht wurde in Küchen, die eher an einen Campingurlaub denken lassen. Wegen der großen Brandgefahr wurden sie in vielen Häusern in separaten Bauten untergebracht, so dass das Essen über den Hof oder einen Laubengang im ersten Stock getragen werden musste. Dazu wurde es mit Deckeln zugedeckt, aber wahrscheinlich wurde es trotzdem schnell kalt.

In der Küche war das wichtigste Element der Herd, in großen Küchen auch mehrere. Er konnte wie ein großer Kamin gestaltet sein oder als "Tischherd" knie- bis hüfthoch aufgemauert. Wie bei den Heizkaminen hatte er nur einen einfachen Rauchfang und keinen gemauerten Schornstein. Der Boden ringsum war einigermaßen feuerfest gegen Funkenflug, z. B. durch Ziegelsteine. Gelegentlich kam noch ein Backofen dazu, aber häufig war der Backofen in einem getrennten Häuschen untergebracht. Da der Backofen auch zum Trocknen der verschiedensten Sachen diente, z. B. Dörrobst, Leinpflanzen, die zu Leinfaser verarbeitet wurden etc, hatte das Vorteile.

Der Herd als zentraler Bestandteil des Hauses hatte auch rechtliche Bedeutung, z. B. wurden nur Behausungen besteuert, die einen eigenen Herd aufwiesen. Mit dem eigenen Herd wurde die rechtliche Eigenständigkeit ausgedrückt. Der große eiserne Herdhaken galt als Eigentumsbeweis und wurde bei einem Brand als erstes gerettet.

Der gepflegte Haushalt hatte ein oder mehrere Kessel in verschiedenen Größen, Bratrost und -spieß, Pfannen, einen Feuerknecht (dreibeiniger Untersatz) und einen verstellbaren Herdhaken oder eine Kette. Es gab sog. Grapen, das sind kugelförmige Kochtöpfe mit Füßchen, die man direkt ans oder ins Feuer stellen kann. Daneben gab es aber auch altertümliche Formen ohne Füßchen (wie oben) mit rundem Boden und Deckel. Kochtöpfe konnten aus Metall (Eisen, Bronze), aber auch aus Keramik sein. An Kochgeräten und Utensilien gab es schon vielerlei aus Holz wie Kochlöffel, Schaber, Quirl.

Zum Feuer Schüren hatte man einen Feuerhaken, Zange, Feder-Fächer oder Blasebalg und ähnliches. Als Schutz wurde ein eiserner Feuerkorb auf die Glut gestellt, der verhindern sollte, dass sich die Haustiere ihr Fell anzündeten, wenn sie am warmen Feuer schliefen. Es wurde als reale Gefahr angesehen, dass Katzen mit brennendem Fell auf ihrer panischen Flucht das Haus ansteckten.

In jeder Küche gab es Hackmesser und Hackklotz. Es wurde ja häufig zu Hause geschlachtet, z. B. die allgegenwärtigen Hühner, zumindest aber zubereitet, große Fleischstücke zerteilt, etc. Die Abfälle kamen auf den Misthaufen, in eine Abfallgrube auf dem Grundstück oder einfach auf die Strasse neben die Haustür. Dort sorgten freilaufende Schweine und Hunde für eine Verwertung der fressbaren Reste. Aber eigentlich wurde alles aufgegessen, aufgebraucht oder erneut genutzt soweit es irgend ging, Brennbares landete im Feuer. Das Recycling ist keine Erfindung der Neuzeit.

Wichtig waren auch die Vorratskammern aller Art, vom Erdkeller, über den separaten Lagerbau für Getreide bis hin zur separaten Abstellkammer, meist nur eine Nische in der Küche, aber natürlich auch der Dachboden. Die Vorräte wurden in Fässern, Bottichen, Kisten, Töpfen, Tiegeln, Körben oder Säcken aufbewahrt. Dazu gab es einfache Regale oder Wandnischen, Holz- oder Metallpflöcke an den Wänden. Probleme für die Vorratshaltung waren Mäuse und Ratten, aber auch Schimmel, Feuchtigkeit, Rauch und Hitze, Kälte. In größeren Haushalten wurde alles eingeschlossen, die Hausherrin teilte den Bediensteten die tägliche benötigte Menge zu und versuchte damit den Diebstahl einzudämmen. Der Schlüssel(bund) wurde so zum Rangabzeichen.

Tisch und Teller

Das Essen wurde in Schüsseln und Schalen, auf Platten und Holzbrettern angerichtet, d. h. bereits klein geschnitten oder zu Brei verkocht. Bei armen Leuten wurde vielleicht nur der Topf auf den Tisch gestellt, da der Topf lange Zeit das einzige Geschirr war. Die gemeinsame Schüssel ist wichtiger als der individuelle Teller. Das sprichwörtliche "Auslöffeln" und "Einbrocken" weisen auf diese Zustände zurück, man nahm entweder die Hand oder Brot, die Kelle war lange Zeit unbekannt. Erst im 19. Jh. wurde individuelles Besteck und Tischgeschirr vor dem Hintergrund allgemeiner Bazillenfurcht selbstverständlich. Das starke Verkochen zu Brei hat vielleicht auch praktische Gründe: neben der einfachen Zubereitung in nur einem Topf der allgegenwärtige Zahnschmerz. Die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung litt häufig an Zahnschmerzen und fehlenden Zähnen, die Mundhygiene war mangelhaft, die noch schlecht entwickelte zahnmedizinische Versorgung, z. B. ein künstliches Gebiss, konnten sich nur adelige oder Reiche leisten.

Das Geschirr bestand zum größten Teil aus Holz, gedrechselte Teller und Becher standen neben geböttcherten (Daubenschälchen, Daubenbecher). Irdene Ware wurde erst ab dem 14. Jh. gebräuchlich. Meist nutzte man eine Brotscheibe als Teller. Glas war selten und kostbar, ebenso Trinkbecher und Humpen oder Pokale aus Metall, sie kamen erst mit dem Spätmittelalter in allgemeinen Gebrauch. Sie erfüllten zusammen mit Metallkannen eher repräsentative Aufgaben und wurden oft auf einem separaten Tisch oder Regal ausgestellt oder nur bei besonderen Anlässen benutzt. Der adelige Haushalt hatte auf jeden Fall ein Aquamanile auf dem Tisch stehen, einen Wasserspender zum Hände waschen, z. B. in Tierform.

Das Besteck waren Messer und Löffel, (zweizinkige) Gabeln wurden nur zum Vorlegen verwendet. Eine dreizinkige Gabel ist schwer zu schnitzen oder zu schmieden. Oftmals hat jeder sein eigenes Messer mitgebracht, es galt sogar als Teil der Bekleidung. Man aß mit den Fingern und es galt als höflich, sich vorher die Hände zu waschen. Besonders feines Benehmen zeigte man, wenn man nur mit drei Fingern aß und die anderen zierlich abspreizte. Meist teilten sich zwei Personen einen Becher oder ein gefüllter Becher wandert von einem zum nächsten beim Zutrinken.

Gute Manieren und gute Sitten

Im Frühmittelalter waren zwei Hauptmahlzeiten üblich, am Vormittag und am späten Nachmittag, aus praktischen Erwägungen wird es sich bei den Bauern wohl nach dem Sonnenstand gerichtet haben. An den (Hoch-)Adelshöfen hörte man die Morgenmesse statt eines gemeinsamen Frühstücks. Unter dem Einfluss Frankreichs beginnen sich später vier Mahlzeiten in den besseren Kreisen durchzusetzen, drei Mahlzeiten gibt es vermutlich erst im16. Jh. Für das Früh- und Hochmittelalter gilt allgemein eine Nahrungsknappheit, so dass weite Teile der Bevölkerung vermutlich froh waren, wenn sie überhaupt eine Mahlzeit am Tag hatten.

Neben Kleidung war das Essen eine der wichtigsten Möglichkeiten, soziale Unterschiede auszudrücken. Reiche essen besser, Korpulenz ist das Zeichen des Wohlstands. Die Anzahl und Art der Fleischgerichte trennen Reich von Arm. In den Spitalordnungen wird z. B. die Versorgung der Herrenpfründe vs. den Armenpfründen durch die Unterschiede in der Beköstigung deutlich. In einer Welt der allgemeinen Nahrungsknappheit wurde regelmäßig die Völlerei als Laster angeprangert.

Die Sitzordnung wurde zumindest im adeligen Haushalt streng eingehalten, jedem kam nach seinem Rang ein Platz zu. Im adeligen Haushalt wurde bedient, wobei der Mundschenk ein angesehenes Amt war, Essen austeilen dagegen war wenig angesehen. Das beste Essen, die besten Stücke wurden dem Hausherrn und seinen höchsten Gästen vorgelegt. Gelegentlich kam am Tischende vom Braten nichts mehr an.

Sog. "Tischzuchten" gaben wie später Freiherr von Knigge Benimmregeln: man spucke nicht in den Becher, wische sich vorher den Mund ab, damit das Getränk nicht fettig würde. Der Gastgeber soll für genügend Essen sorgen, aber nichts auftischen, was die Gäste nicht mögen, der Gast soll sich bescheiden mit dem Gebotenen begnügen. Man solle nichts seinem Nachbarn wegnehmen (das gibt Unfrieden), nicht das Brot aus den Körben als erstes wegessen, auch wenn man hungrig ist (es wird noch gebraucht, um das Essen aus den Schüsseln zu nehmen). Adel sollte sich nicht nur in Geburtsvorrechten, sondern auch im vorbildlichen Verhalten zeigen.

Adelige Tischkultur und Ansprüche, wie die aufwendige Festkultur, verbreiteten sich schnell ins aufstrebende städtische Bürgertum und überlebten dort. Patrizier waren in München Gastgeber für Adelige, die keinen Platz mehr in der Hofburg fanden, gelegentlich aber auch für den Kaiser selbst. Der Herzog verschuldete sich oft auf Jahre, um die Kosten für die Unterbringung und Essen zu bezahlen.

Schlafen

Geschlafen wurde in Betten, die tatsächlich "Möbel" (mobil) waren. Die Betten dienten aber auch als einziges wirklich bequemes Möbel zum Sitzen und Liegen wie ein Sofa. In Besitzinventaren finden sich ein oder mehrere Betten in fast allen Räumen soweit es nicht Küchen, Keller oder Vorratskammern waren. Kopf- und manchmal das Fußbrett wurden verziert. Seit dem frühen 15. Jh. wurden die vornehmen Betten mit einem ganzen oder halben Himmel ausgestattet. Gelegentlich wurde der Himmel auch an der Zimmerdecke befestigt. Die Vorhänge ermöglichten eine gewisse Privatsphäre, aber auch Wärme in den ungeheizten Räumen, wahrscheinlich weniger dass Ungeziefer ins Bett fällt. Üblich war das Spannbett, bei dem Seile oder Gurte kreuzweise zwischen die vier Seitenbretter verspannt waren und so den heutigen Lattenrost ersetzten.

Betten hochrangiger Leute oder auch das Ehebett des Hausherren hatten höhere Füße, standen also weiter vom Fußboden entfernt. Gelegentlich wurden niedrigere Rollbetten darunter geschoben. Es gab aber auch andere einfache Betten, die tagsüber weggeräumt wurden. Neben dem Bett standen entweder Bänke oder Truhen, um das Einsteigen zu erleichtern.

Die Bettstatt enthielt einen Strohsack als Matratze und eine wärmendes, mit Federn gefülltes Unterbett. Außerdem gab es zahlreiche wärmende Kissen, Decken und Federbetten, die in den kalten Schlafräumen bitter nötig waren. Kissenbezüge wurden nicht geknöpft, sondern mit Löchern in den Seiten verschnürt. Deckte man sich nur mit einer Decke zu, kam ein Leintuch (Kann man das so schreiben? Nicht Leinentuch?) darunter. Generell schlief man wohl eher etwas aufgerichteter als heute, vielleicht fast sitzend, außerdem war es üblich, das Bett mit einer oder mehreren Personen zu teilen.

Baden und Hygiene

Die Wasserversorgung war recht unterschiedlich geregelt: von einfachen Brunnen, z. B. Ziehbrunnen für Grund- und Quellwasser, bis hin zu ersten öffentlichen Leitungsnetzen, die z. B. städtische Laufbrunnen auf dem Markt versorgen. Oft gibt es in den Städten Brunnengemeinschaften, d. h. mehrere Häuser oder ein Stadtteil teilen sich einen Brunnen und damit auch dessen Unterhalt. Für Schaffhausen sind 1317 Wasserleitungen belegt. Die Leitungen waren Gefälleleitungen, die Quellen von einem höher gelegenen Ort zusammmenfassten und das Wasser in die Stadt führten. 1333 stellt Freiburg i. Br. einen Brunnenmeister ein, der die städtischen Wasserleitungen warten soll. Wasserleitungen sind auch aus einigen Klöstern bekannt. Archäologische Funde gibt es aber fast nur aus dem Spätmittelalter. Andere Städte haben ihre Bäche, Flüsse systematisch angezapft oder sogar Kanäle gegraben. Wasserleitungen konnten aus Holz, Ton, Eisen oder Blei sein. In manchen Städten wurden im Fluss Schöpfräder installiert, die das Wasser in das Wassernetz oder einen auf der Brücke installierten Brunnen einspeisten ("Wasserkunst").

Insgesamt musste das Wasser eimerweise in die Häuser getragen werden, da war man eher sparsam im Verbrauch. Wenn man bedenkt, wie viel Wasser zum Kochen und selbst für kleine Hygiene verbraucht wird, wird auch klar, dass Wasser holen - wie noch heute in Entwicklungsländern - eine zeitraubende Aufgabe war.

Generell wurde dem fließenden Wasser eine große Reinigungskraft zugesprochen, so dass Verschmutzungen fast bedenkenlos eingeleitet wurden. Frühe Stadtverordnungen und Gesetze belegen aber, wie sehr sich die Stadtväter um sauberes Wasser sorgten.

Warmes Baden war beliebt, man stellte dafür einfach einen Zuber ins Zimmer oder auch ins Freie. Nur reiche Haushalte und Klöster hatten eine eigene Badestube, einfache technische Anlagen wie Wasserleitungen und Pumpen scheinen aber eine große Seltenheit gewesen zu sein. Nicht zuletzt die Schwierigkeiten mit dem Baden werden die Adeligen veranlasst zu haben, von den Burgen in die Städte zu ziehen. In den Städten gab es öffentliche Badehäuser, die aber nichts mit der Pracht der antiken Bäder oder modernen Badeanstalten und Thermen zu tun haben.

Üblich war es, alle 14 Tage ins Bad zu gehen. Lehrlinge und Gesellen erhielten extra Badegeld, damit sie sich den Besuch leisten konnten. Handwerker machten früher Schluss, um ins Bad zu gehen. Das Badehaus diente nicht nur der Körperpflege, Gesundheit und Hygiene, sondern auch der Wellness: entspannen, Geselligkeit, essen, trinken, Massagen, Musik und Gesang, vielleicht auch Prostitution (neuere Forschungen verneinen das). Die Zuber standen nebeneinander, Bademägde und -knechte erledigten den Service.

Es ist recht aufwendig, Wasser in Kesseln über dem Feuer zu erhitzen, und daher verwundert es nicht, dass die Badezuber eher für Sitzbäder gebaut waren, manche waren jedoch groß genug für zwei und mehr Personen. Manchmal wurde ein Stoffzelt darüber angebracht, um die Wärme zu halten. Ein Brett über den Zuber gelegt diente als Tisch für das Essen.

Von den Pappenheimern

Das "heimliche Gemach" war ein Plumpsklo, wer je eins erlebte, wird es nie vergessen. Klopapier gab es nicht, aber Blätter, Stroh, Heu, Moos oder auch einen Waschlappen und Wasser. Manche Klos waren Mehrsitzer, ohne Abtrennungen. Oftmals war das Klo als Aborterker in luftiger Höhe angebracht, das einfach in den Burggraben, Fluss, den Ehgraben oder eine Mistgrube entwässerte und nur über lange Gänge und Treppen zu erreichen war.

Schon früh regelten städtische Verordnungen, wie nah eine Schwindgrube (Abfall- und Fäkaliengrube) an das Nachbargrundstück gebaut werden durfte (meist ca. 50 cm, "1½ Werkschuh") und wie sie ausgekleidet sein musste. Trotzdem gab es häufig gerichtlichen Streit über Geruchsbelästigungen etc. Die Entleerung fand manchmal nur alle 10 Jahre statt, wenn man bedenkt, wie teuer und aufwendig es war, die Gruben von Hand zu leeren. In vielen Städten durften solche Arbeiten nur nachts oder im Winter durchgeführt werden. Wenn mehrere Häuser eine Grube gemeinsam nutzten, mussten sie auch gemeinsam für die Entleerung Sorge tragen, d. h. ein Haus zwei Nächte, andere eine Nacht, immer im Wechsel bis die Grube leer war. In Nürnberg hießen die zuständigen Leute "Pappenheimer", in anderen Städten "Heimlichkeitsfeger", "Nachtkärrner" oder "Goldgrübler", in der Regel waren es Henker und andere "unehrliche" Leute. In München durften Haushalte ohne eigene Grube ihren Unflat in die Isar schütten. Kleinere Bäche und wenig Wasser führende Flüsse sollten aber frei gehalten werden.

Eine typisch städtische Einrichtung sind die Ehgräben, schmale Gänge (ca. 50-250 cm) zwischen den Häusern, die der Entwässerung dienen. Die Gänge waren manchmal mit Brettern ausgekleidet und hatten etwas Gefälle. Hier warf man den Abfall hin und die Häuser hatten ihre Aborterker darüber. Die "Reinigung" erfolgte beim nächsten Regenguss. Wie lange diese Einrichtung gehalten hat, zeigt ein Foto aus Konstanz mit einem kopfsteingepflasterten Ehgraben Mitte des 19.Jh. mit hölzernen Aborterkern und Fallrohren in die Kanalisation.

Garten und Natur in der Stadt

Die frühen Städte waren oft ländlicher als man sich heute vorstellen kann. Vom Früh- bis Hochmittelalter waren die Gassen nicht geschlossen, sondern es gab noch Baulücken bzw. das kleine Haus hatte rechts und links Platz bis zur Grundstücksgrenze. Im Spätmittelalter begann allgemein eine Bauverdichtung, bei der die Freiflächen und Zwischenräume überbaut wurden, so dass das heutige Bild "mittelalterlicher" Städte entstand.

Von der Stadtmauer waren auch Gärten, kleine Felder und Wiesen eingeschlossen, und die Bürger waren zu einem guten Teil in der Lage, sich mit selbst angebautem Obst, Gemüse und Getreide zu versorgen ("Ackerbürger"). Auf den Grundstücken waren nach hinten hinaus Gärten sowie Schuppen und Ställe für Vieh. Hühner- und Geflügelhaltung war weit verbreitet, Schweine liefen in den Gassen frei herum. Manche Städte mussten gesetzlich regeln, wie viele Schweine jeder Bürger halten durfte. Bäcker durften oft größere Anzahlen halten, da sie altes Brot verfüttern konnten. Im Garten waren natürlich in der Hauptsache Nutzpflanzen angebaut und eine große Artenvielfalt ist belegt, zumindest was gegessen wurde und später in Abfallgruben landete. Es lassen sich aber auch Blumen nachweisen und Bilder zeigen Blumentöpfe auf den Fensterbänken.

Beliebt war auch die Haltung von Singvögeln in Käfigen. Wilde Vögel wurden in großen Mengen gefangen und gegessen, einige brachten etwas Natur in die Stube.

Quellenlage

Woher nehmen wir dieses Wissen? Bilder, z. B. Ölgemälde mit Heiligendarstellungen, Wandgemälde, Wandbehänge, Bildteppiche, Handschriften mit ihren Abbildungen, meist Initialen oder Federzeichnungen, Verzeichnisse der unterschiedlichsten Art, z. B. Urkunden, Besitzstandsverzeichnisse, Testamente, Steuerlisten, literarische Erzeugnisse, z. B. Gedichte, Romane, Hausbücher als Ratgeber junger Eheleute, aber auch archäologische Ausgrabungen und Funde zeigen uns in vielen kleinen Bausteinchen dieses Bild. Dennoch bleiben viele Fragen bislang ungeklärt.

Quellen:

Joachim Bumke: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 6. Aufl. 1992, S. 137-171

Gösta Ditmar-Trauth: Rüstung, Gewandung, Sachkultur des deutschen Hochmittelalters, Karfunkel-Verlag, Wald-Michelbach 2004, S. 113 - 157

Evamaria Engel u. Frank-Dietrich Jacob: Städtisches Leben im Mittelalter, Böhlau-Verlag Köln Weimar Wien 2006, S. 89-105

Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten, Museumsführer, Großweil 1994, S. 18-20 und S. 126-134

Helmut Hundsbichler: Arbeit, Nahrung, Kleidung, Wohnen, in: Alltag im Spätmittelalter, Hg. Harry Kühnel, Weltbild Verlag, Augsburg 2003, S. 189-270

Niedersächsisches Freilichtmuseum Cloppenburg, Museumsführer, Cloppenburg 1998

Ernst Schubert: Essen und Trinken im Mittelalter, Primus Verlag/ Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006, S. 241-297

Stadtluft, Hirsebrei und Bettelmönch. Die Stadt um 1300. Stadtarchäologie in Baden-Württemberg und der Nordostschweiz. Hg. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und Stadt Zürich anlässlich einer gemeinsamen Ausstellung Juni - Oktober 1992 in Stuttgart und Zürich. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1992; S. 225-287 und 347-435 (*** das ganze Buch sehr empfehlenswert!)

Leonie von Wilckens: Die Wohnung des Bürgers im späten Mittelalter, in: Das Schatzhaus der deutschen Geschichte, Manfred Pawlak Verlag, Herrsching 1989; S. 249-275

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