von Viola Schmidt
Inhalt

  1. Stoffe
  2. Farbe
  3. Verzierungen

  1. Stoffe


  2. Verwendet wurden hauptsächlich Leinen/Hanf(Unterkleid) und Wolle(Uebergewand), sowie Seide.

    Es eignet sich für die Kostüme:

    • Leinen
    • Wollstoff
    • Seide (bzw Viskose als Seide-Ersatz)
    • Baumwolle (auch als Ersatzstoff)
    • Mischgewebe aus diesen Materialien

    Baumwolle: Durch die Kreuzzüge gelangte auch die im Orient schon seit der Antike bekannte Baumwolle nach Europa. Hergestellt wurde Barchent (Kette aus Leinen, Schuss aus Baumwolle). Reine Baumwollgewebe wurden nicht hergestellt, solche gab es bestenfalls als Import

    Mischgewebe: Es gab zB Mischung von Baumwolle mit Seide und Wolle, auch Seide mit Leinen oder Wolle, Leinen mit Wolle, Leinen mit Baumwolle (Barchent, s.o.).

    Gewebe:

    Kette Leinen, Schuss Wolle war unter der einfachen Bevölkerung weit verbreitet. Der Grund ist der, dass der Kettfaden beim Weben unter Zug steht, Wollfaeden koennten hierbei leicht reissen und sind dehnbar. Deswegen wird fuer den Kettfaden Leinen verwendet. Da Wolle angenehmer zu tragen ist, wird fuer den Schussfaden Wolle verwendet.

    Einfachste Webart: "Leinenwandbindung": aus Flachs, auch Wolle oder Seide. Typisch für diese Bindung ist das regelmässige Auf-und Abführen sich kreuzender Fäden (wie Strümpfe stopfen), diese Stoffe gab es einfarbig, gestreift, kariert. Wollstoffe Oberbekleidung wurde so gewebt, dann gekämmt, gewalkt und geschoren: Struktur nicht sichtbar, Lodenartig

    Zweite Webart: Koeperbindung , Abarten Fischgrät- Rauten- Diamantkoeper Der Koeper ist eine Grundbindung mit einer mehr oder weniger sichtbaren Diagonalstreifung, entsteht durch das Ueberspringen des Kett- oder Schussfadens von mehreren unter ihm liegenden Schuss- oder Kettfäden, wobei sich die Bindungspunkte mit jeder Webreihe immer nach der einen Richtung um einen Faden verschieben. Durch regelmässiges Hin und Herversetzen der Bindungspunkte entstehen Fischgrät- und Rautenmuster. Die meisten Keltenstoffe (auch Schottenkaros) waren koeperbindig.

    Atlasbindung = Satinbindung: hauptsächlich bei Seide (glatt, glänzend). Die Strukturlose geschlossene glatte Oberflache des Atlas oder Satins entsteht aus einem Rapport von fünf oder mehr Kett- oder Schussfäden, die dicht nebeneinander liegen und in wechselnder Folge von wenigstens vier unter ihnen liegende Fäden überspringen. Seide aus China und dem Orient war figürlich gemustert und wurde nach Europa aus Damaskus geliefert, daher der Name Damast . Es gab sowohl einfarbigen alsauch zweifarbigen Damast. Seidenstoffe gab es in Europa seit dem Hochmittelalter, einheimisch gewebte seit 12. Jh. Orientalische Stoffe kamen unter anderem durch die Kreuzzüge als Beute nach Europa.

    Samt: Schlingen in der Kette oder im Schuss, die meist geschoren wurden Material Seide, im letzen Viertel des 13. Jh in Italien oder Spanien erfunden, anfangs noch unbeschoren als Kissenbezüge verwendet. Der älteste schriftlicher Nachweis von geschorenem Samt (Velours) in England als Kleidstoff stammt von 1295 -> nicht unbedingt für hochmittelalterliche Kleidung passend.

    Golddurchwirkte Brokatstoffe

    Dünner Seidentaft für Schleier, Gewandfutter und Fahnen

    Gemusterter Stoff mit eingewebten Ornamenten
    Der Mustervielfalt waren Grenzen gesetzt: Woll/Hanffaden darf nicht zu dünn werden sonst reisst er, Seidenfaden machte abwechslungsreichere Muster möglich. (So tauchten erst im Spätmittelalter Woll- und Leinendamaste auf, welche in gröberer Form die Muster der Seidenweberei nachahmten.)

    Gemusterte Stoffe höfische Mode: Seiden-Brokate, unter denen die Lampas Webart vorherrschte (verschiedene Bindungen kombiniert).
    Eingewebte Gold und Silberfäden: Hierfür gab es zwei Techniken:
    Lanciert: Der Goldfaden wird von Webkante zu Webkante geführt, wobei er auf der Bewebeoberseite flottiert, d.h. mehrere Fäden überspringt und so ein Muster bildet.
    Broschiert: Goldfaden nur im Musterbereich
    Bei einigen Brokaten wurden beide Techniken angewandt. Der Goldfaden war entweder fein gezogener Metalldraht oder ein textiler Faden, die "Seele", die mit hauchdünnen Goldstreifen (Goldlahn) spiralig umwickelt wurde. Hochwertig war Seide als Seele und echtes Blattgold, billiger Häutchengold (vergolddete Darmhaut) mit Leinenfaden als Seele - in Deutschland gab es hauptsächlich Häutchengold.

    Im 12. und 13. Jh dominierten Damste und Brokate, deren Grundmuster von regelmässgigen Reihen runder oder spitzovaler Medaillions gebildet wurden, diese Medallions hatten einen schmalen einfachen oder breiten verzierten Rand und hatten innen symmetrische meist Rücken an Rücken angeordnete Tiere bzw Fabelwesen oder Blüten bzw Palmetten, evtl stilisierte Burg. Diese teuren Stoffe waren dem Adel vorbehalten.

  3. Farben


  4. Farben hatten Bedeutungen, zB stand rot für Blut, Mut und Kampf und war traditionell Farbe des Kriegers. Nach rot war blau die beliebteste Farbe, gefolgt von grün.
    Bei den Farbtönen gibt es eine Unterscheidung: Die Teuersten Farben waren purpur (Hochadel, Klerus), scharlachrot und indigoblau .
    Für Bürger und Bauern erschwinglich gab es krapprot, waidblau.
    Leuchtendes Gelb (Goldgelb, aus Safran) wurde vom Adel getragen. Das blasse fahle gelb (Färberwau) war eine Schandfarbe und diente zur Kennzeichnung von gesellschaftlichen Aussenseitern etwa wie Juden und Prostituierten.
    Schwarz war die Farbe des niederen Klerus und der Magistrate (wurde in der höfische Mode aber erst im 15 Jh verwendet). Es gab die Zunft der Schwarzfärber (die anderen waren die Buntfärber).

    Fast alle Mischfarben konnten hergestellt werden.

    Gelb neigte zum verblassen und wurde daher nur selten für Oberkleider, sondern meist für Futter oder Unterkleid verwendet. Grüne Gewebe oder Garne (blau/gelb Gemisch) wurden aus diesem Grund mit der Zeit blauer.

    In der höfische Mode waren die Farben aufeinander abgestimmt. Meist kombinierte man einen kalten und einen warmen Farbton, zB rosa oder rote cotte mit blauer blauvioletter oder grüner surkot. Das Futter war häufig gelb, bei rosa gern grün.
    Weiss- oder gelbrundige Damaste und Brokate wurden meist mit rotem Stoff gefüttert.
    Die beliebteste Mantelfarbe scheint rot gewesen zu sein, gefolgt von dunkelblau und dunkelgrün.

    Mi-parti : linke und rechte Körperhälfte unterschiedliche Farbe, diente zur Kennzeichung.

  5. Verzierungen


  6. Besticken vor allem bei ungemusterten Seidenstoffen, diese wurden mit bunten Seidengarnen und Silber- und Goldfäden aufgewertet, auch mit Perlen und Korallen oder sogar Edelsteinen. Normalerweise wurden breite Streifen um den Hausausschnitt und die Gewandränder bestickt. Grossflächig bestickt waren nur z.B. Krönungsmantel.

    Gemusterte Borten : Brettchenweben, gelegentlich sogar mehr als 10 cm breit (meist weniger). Muster waren meist geometisch, auch geometrisch sitlisierte Tierdarstellungen, sogar Schrift. Bei höfischen Gewändern: buntes Seidengarn und Goldfäden.

    Pelze aller Art wurden gerne verwendet. Die Fellseite war innen zum wärmen, Felle wurden meist unsichtbar getragen. Der Adel verwendete zB sibirisches graues Eichörnchen, Zobel und Hermelin, diese wurden schachbrettartig genäht. Der Niederadel: verwendete einheimische Felle (rotes Eichhörnchen, Wiesel, Marder, Fuchs, Hase). Oft wurden tausend und mehr Eichhörnchenfelle für eine Robe (=Garnitur) verwendet. Schafspelz galt in höfischen Kreisen als sprichwörtliche als Bescheidenheit. Feh (Eichörnchen) und Hermelin waren beliebtes Innenfutter. Zobel, Fuchs und Luchs verwendete man zum verbrämen von Gewändern und Kopfbedeckungen.

    Keine Spitzen , weder gehäkelte noch andere

    Quelle: Ulrich Lehnart,
    Kleidung & Waffen in der Früh- und Hochgotik
    Karfunkel-Verla
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